Im Konsens liegt die Kraft, aber kein Konsens ohne offenes und ehrliches Gespräch

Oh je, schon wieder ist fast ein Monat seit meinem letzten Blogeintrag vergangen und da ich in letzter Zeit auch selten dazu komme, andere Blogs zu lesen, bin ich erst heute Morgen auf einen interessanten Artikel von Fiammetta aus dem Monat Juni gestoßen. In diesem gibt sie Antworten auf die Frage, was tun, wenn der_die Partner_in asexuell ist. Erster Punkt, den sie hierbei anspricht – und den ich voll und ganz unterstreichen würde, ist jener des gegenseitigen Respekts. Dies bedeutet für die allosexuelle Person, dass sie die sexuelle Orientierung des_r Partner_in nicht hinterfragt, sondern akzeptiert. Das heißt konkret: Keine Fragen nach dem Hormonhaushalt, nach erlebten Traumata – keine Ursachenforschung kurz gesagt! Andererseits muss aber auch die asexuelle Person akzeptieren, dass der_die Andere eben nicht asexuell ist. Manche allosexuelle Menschen kommen gut damit klar, wenig Sex mit dem_r Partner_in zu haben, wie in dem Falle des Paares im unten aufgeführten Video. Bei vielen ist dies jedoch nicht der Fall und das muss auch akzeptiert werden. Konsens ist dabei jedoch das non plus ultra einer funktionierenden Beziehung. Dies gilt nicht nur für gemischte, asexuell-allosexuelle Beziehungen. Im Falle von letzteren gilt es jedoch erst einmal zu schauen, ob und wie Nähe auf eine für beide Personen befriedigende und angenehme Weise ausgedrückt werden kann. Reaktionen auf körperliche Nähe, Sex und Zärtlichkeit variieren stark im asexuellen Spektrum und daher ist die Konsensfindung in solch „gemischten“ Partnerschaften auch stets mehr oder weniger schwierig.

Ein Gedanke kommt bei mir allerdings immer auf, wenn ich das Wort Sex höre oder lese, insbesondere in Artikeln über „gemischte“ Beziehungen. Was ist mit Sex überhaupt gemeint? Wo fängt Sex an und wo hört er auf? Betrachte ich all die medialen Erzeugnisse, die ich in den vergangenen Jahren konsumiert habe, hinsichtlich ihrer Darstellung von Sexualität, so fällt mir auf, dass die Penetration hier deutlich dominiert und mein Verständnis und meine Vorstellung von sexueller Interaktion auch lange geprägt hat. Diese Form von Sex bereitet mir nach wie vor großes Unbehagen und ich lehne sie für mich persönlich ab. Es gibt neben dem penetrativen Sex aber noch sehr viele andere Formen, sexuell zu interagieren. Besteht der_die allosexuelle Partner_in also auf Sex in der Beziehung, so kann erst einmal geschaut werden, was für die jeweilige Person unvorstellbar ist (auch allosexuelle Menschen habe ihre Grenzen)  und wo beide einen gemeinsamen Nenner finden können. Dies setzt natürlich voraus, dass die asexuelle Person kein Problem mit körperlicher Nähe an sich hat. Dies ist vielleicht ein erheblicher Kommunikationsaufwand, aber unabdingbar für einen guten, glücklichen Fortbestand der Beziehung.

Problem: In unserer Gesellschaft wird viel über Sex gesprochen, meistens jedoch auf eine sehr oberflächliche Art und Weise. Es wird zu viel für selbstverständlich gehalten , was zur Folge hat, dass über Erwartungshaltungen und sexuelle Wünsche auch unter allosexuellen Paaren nicht wirklich gesprochen wird.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Ein offenes Gespräch über Wünsche, Erwartungen und Formen der sexuellen Interaktion sind ratsam für alle Paare, ganz besonders aber für asexuell-allosexuelle Paare.

Wenn mensch in diesem Sinne nicht auf einen Nenner kommt, kann noch über alternative Beziehungsmodelle gesprochen werden.

In dem folgenden Video erzählt ein asexuell-allosexuelles Paar von ihrer Konsensfindung und Beziehung:

 

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Über tschellufjek

In Bearbeitung ;)
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3 Antworten zu Im Konsens liegt die Kraft, aber kein Konsens ohne offenes und ehrliches Gespräch

  1. „Was ist mit Sex überhaupt gemeint? Wo fängt Sex an und wo hört er auf? […]“
    Das ging mir (u. a.) durch den Kopf, als ich schrieb: „Von verinnerlichten Vorstellungen zu lassen ist auch dann hilfreich, wenn überlegt wird, wie sexuelle Kompromisse aussehen können. Es gibt vielleicht Lösungen, die für euch passen können, die euch aber nicht in den Sinn kommen, weil sie nicht dem allgemein propagierten Bild von Beziehungsleben entsprechen.“

  2. Pingback: Reblog: Konsensfindung | Der Torheit Herberge

  3. tschellufjek schreibt:

    Deshalb fand ich deinen Artikel auch sehr gelungen! Wollte schon länger meine Gedanken hierzu aufschreiben und hab deinen Post mal als Anlass genommen, dies aich zu tun 😉

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