Das Problem der Repräsentativität

Die Sichtbarmachung von A_sexualität stößt auf zahlreiche Probleme, von denen das Desinteresse nur der Anfang ist. Nun, da sich die Medien immer mehr dafür zu interessieren scheinen, besteht die größte Herausforderung in missverständlichen oder regelrecht falschen Berichterstattungen. Komplett falsch sind die Artikel und Berichte, die sich mit der A_sexualität beschäftigen, nie. Die allermeisten von ihnen stellen diese sexuelle Orientierung jedoch nicht in ihrer Komplexität dar und sprechen von einem bestimmten Spektrum der A_sexualität, ohne dies kenntlich zu machen. Diese einseitige oder vielmehr vereinfachende Berichterstattung liegt jedoch nicht unbedingt an der Böswilligkeit oder „Dummheit“ der Berichterstatter_innen.

Wenn Missverständnisse aufkommen, so liegt das nicht immer nur an den Empfängern einer Nachricht/Information. Nicht alle Missverständnisse resultieren aus einem starken Verlangen des Emfpängers, eine Information zu deformieren und als unklar bzw. unverständlich abzustempeln.

Vielmehr stelle ich vor allem zwei Probleme fest:

1. Mangelnde Recherchearbeiten.  Um alle a_sexuellen Spektren  in einen Artikel oder in eine Berichterstattung im Allgemeinen einfließen zu lassen, bedarf es viel Recherchearbeit, viel Hintergrundwissen. Dies scheint aber, wie ich bereits mit Carmilla DeWinter feststellen konnte, nicht ganz zu den Qualitäten heutiger Journalist_en_innen zu gehören.

2. Fehlende universale Repräsentativität. Vielfalt ist an für sich etwas sehr positives. Sie hat aber auch die Tücke, gewisse Dinge komplizierter zu machen. Dies konnte ich beim CSD in Karlsruhe feststellen. Denn, neben der allgemeinen, uns alle einschließenden Definition von A_sexualität – nämlich das fehlende Verlangen nach sexueller Interaktion, unterscheiden wir A_sexuellen uns in einigen Bereichen voneinander.

Zunächst einmal wäre das unsere romantische Orientierung. Eine aromantische, a_sexuelle Person stößt auf andere Probleme als eine nichtaromantische, a_sexuelle Person. Und unter den „romantischen“ A_sexuellen unterscheiden sich ebenfalls die Erfahrungswelten, jenachdem ob Mann*/Frau* sich zu Personen des selben Geschlechts, des anderen Geschlechts oder zu beiden Geschlechtern romantisch hingezogen fühlt.

Zudem gibt es unterschiedliche Einstellungen zum Thema Sex. Es gibt die sex-aversed asexuals, die von sexuellen Handlungen gänzlich abgeneigt sind. Dann gibt es die sex-indifferent asexuals, die im Sex keinen Reiz sehen, allerdings in einer Partnerschaft mit nicht-a_sexuellen Menschen in diesem durchaus einen Kompromiss sehen können. Und zu guter Letzt wären dann noch die Gray-A_sexuellen und die Demi_sexuellen, die selten und/oder unter bestimmten Bedingungen Verlangen nach sexueller Interaktion verspüren und sich damit in der „Grauzone“ zwischen A_sexualität und den anderen sexuellen Orientierungen befinden.

Kurz gesagt: Ich kann zwar, wenn ich ein Interview als „a_sexuelle Gesprächspartnerin“ gebe – oder ein Gespräch als solche führe, versuchen, diese Komplexität aufzuzeigen und  betonen, dass ich nur ein Beispiel für ein bestimmtes Spektrum sein kann/bin. Ich kann jedoch nicht andere Spektren repräsentieren.

In jeder Hinsicht finde ich es wichtig, die vielen unterschiedlichen „A_sexualitäten“ zu erwähnen.

 

 

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In Bearbeitung ;)
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3 Antworten zu Das Problem der Repräsentativität

  1. Carmilla DeWinter schreibt:

    Hab derzeit nichts hinzuzufügen.

  2. Ich finde es immer am besten, wenn mehrere asexuelle Menschen porträtiert werden, aber das geht von der Sendezeit / Zeichenzahl her halt nicht immer.

  3. Pingback: Asexy Bore-Out | tschellufjek

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