Rouen

Meine Reise in die Hauptstadt der Region Haute-Normandie im Nordwesten Frankreichs ist zwar schon eine Weile her, aber meine Eindrücke von der Stadt sind noch sehr präsent und warten darauf, niedergeschrieben zu werden! Ich möchte daher im Folgenden meinen lieben Leser_n_innen erklären, warum sich ein Besuch in dieser Provinzhauptstadt lohnt 😉

Geographisch betrachtet, ist die Stadt sehr gut gelegen. Mit dem Zug sind es nur ungefähr anderthalb Stunden nach Paris (mit dem RER, der Regionalbahn) und ca. eine Autostunde wird benötigt, um die Stadt mit dem zweitgrößten Hafen Frankreichs, Le Havre, zu erreichen. Zudem liegt Rouen an der Seine, die im Norden in den Atlantik mündet und südlich der Stadt bis nach Paris führt. Diese „Wasserverbindung“ zwischen Paris und Rouen hat für die „kleine Großstadt“ (ungefähr 111 000 Einwohner_innen) schon immer eine besondere Rolle gespielt. Es genügt die vielen Schilder in Museen und auf öffentlichen Plätzen zu begutachten, auf denen Rouen als x-beste_r_s/größte_r_s xyz …. nach Paris angepriesen wird – eine Eigenart, die  mich häufiger zum Schmunzeln brachte.  Literaturliebhaber_innen werden des Öfteren in Klassikern der französischen Literatur auf den Schauplatz Rouen stoßen. Gustave Flaubert, der sich  hinter dem berühmtesten Ehebruch der Literaturgeschichte, Emma Bovary, verbirgt, wurde hier geboren und machte Rouen zum Schauplatz des soeben genannten Romans. An der ehemaligen Medizinfakultät der Stadt befinden sich diverse Zitate des pummeligen Schriftstellers. Zudem ließ sich auch sein „Schüler“, Guy de Maupassant (unweit von Rouen geboren) von dieser normannischen Stadt inspirieren. In seiner berühmtesten Novelle Boule de Suif beginnt die Geschichte im – von der preußischen Armee – besetzten Rouen zur Zeit des deutsch-französischen Krieges 1870/71. (Diese Novelle möchte ich euch übrigens ans Herz legen, da sie ein kurzweiliges, amüsantes und zugleich nachdenklich machendes Lesevergnügen darstellt. Kritik am Militarismus und am Krieg geht einher mit der Kritik an gesellschaftlichen Hierarchien und der Hypokrisie der „gehobenen Gesellschaft“). Selbst Oscar Wilde schätzte diese Stadt und äußerte in einem seiner Liebesbriefe an Lord Alfred Douglas, dass er wünschte, nie von dort abgefahren zu sein.

Für Feminist_en_innen, Geschichtsfans und sonstige Interessierte sei gesagt, dass Rouen die Stadt ist, in der Jeanne d’Arc verbrannt wurde. An ihrer Hinrichtungsstätte befindet sich heute ein Denkmal, welches sich am Marktplatz befindet, wenn ich mich nicht täusche. Und wer mehr über Jeanne d’Arc erfahren möchte, über ihren aufopferungsvollen Kampf gegen die englische Besatzungsmacht, der sie zu einer Symbolfigur französischen Patriotismus machte, kann sich visuell im Historial Jeanne d’Arc weiterbilden. In einem alten Gemäuer, bei dessen Durchqueren der_die Besucher_in sich fabelhaft in die damalige Zeit zurückversetzen kann, werden mit Videoprojektionen und sonstigem technologischen Schnickschnack der Parcours der jungen Jeanne d’Arc – sie starb im Alter von 19 Jahren! – anschaulich erklärt. Anders als bei vielen anderen Museen, bei denen ich an einem Informationsoverkill am Ende litt, bekam ich im Historial ein sehr gutes und verständliches Bild von Jeanne d’Arc, ihren Ambitionen und Taten vermittelt – und das gut dosiert 🙂 Am Ende der „visuellen Führung“ erwarten den_die Besucher_in Videos, in denen sich Historiker und andere Wissenschaftler zu Jeanne d’Arc äußern. Für mich als Romanistin besonders interessant war ein Video über die Verwendung Jeanne d’Arcs als Symbolfigur, nicht nur in Frankreich, sondern auch in anderen Ländern. Wer des Französischen nicht mächtig ist, sei unbesorgt. Es gibt einen deutschen Audio-Guide, der auch die einzelnen Filme synchronisiert.

Und zu guter Letzt noch ein paar Impressionen:

Blick von der Gros-Horloge aus.

Blick von der Gros-Horloge aus.

20150424_17322520150424_17341220150424_184532

Advertisements

Über tschellufjek

In Bearbeitung ;)
Dieser Beitrag wurde unter Europa, Frankreich, Orte, Reisen, Städte abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s