Wenn die Angst ein ganzes Land dominiert

Zum Thema Pegida wurde in den letzten Wochen ja bereits viel geschrieben und gesprochen. Wirklich geistreiche und konstruktive Äußerungen gab es jedoch selten.  Im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung vom 17. Dezember fand ich jedoch kürzlich einen bemerkenswerten Kommentar des Philosophen Byung-Chul Han. Dieser schrieb in seinem Gastbeitrag „Sehnsucht nach dem Feind“ über die verheerenden Folgen einer Bevölkerung, die von einer ständigen „Angst um sich“ zernagt wird. An die Stelle des Klassenkampfes sei schon längst der Kampf mit sich selbst getreten. Aufgrund dieser ständigen negativen Auseinandersetzung mit sich selbst, herrsche das starke Bedürfnis nach einer Externalisierung der Angst durch die Suche nach einem Feind vor. Hierzu schrieb der Philosoph folgenden schönen Absatz:

Die Protestierenden externalisieren ihre Angst, indem sie sie auf den imaginären Feind beziehen. Hier ist wieder die Logik des Sündenbocks am Werk. Früher waren es die Juden, nun sind es die Muslime. Die Geschichte wiederholt sich. Die Politiker schauen nur zu und begnügen sich mit Ferndiagnosen. Oder sie schüren die Angst, um politisch daraus Kapital zu schlagen. Eigentlich sollten sie froh sein, dass die Wut der Protestierenden sich nicht gegen sie, sondern gegen den imaginären Feind richtet. Pegida ist das Zerrbild einer Gesellschaft, in der die Politik versagt hat. Menschen begeben sich ins Imaginäre, um sich das Gefühl zu verschaffen, wieder in die Gesellschaft zu gehören.

Es wäre schön, wenn wir in unserer Gesellschaft Philosophen_innen nicht immer als Quacksalber_innen oder Rhetorikkünstler_innen ohne Praxisbezug ansehen würden, sondern sie auch mal wirklich anhören würden. Wir könnten eine Menge von ihnen lernen. Gegen Probleme vorzugehen, bedeutet in erster Linie, die Probleme, ihre Ursache und Wirkung, zu verstehen und sie bei der Wurzel zu packen. Dies vermag blinder Aktionismus nicht zu tun. Philosophieren kann helfen!

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In Bearbeitung ;)
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Eine Antwort zu Wenn die Angst ein ganzes Land dominiert

  1. Carmilla DeWinter schreibt:

    Sehr wahr, sowohl das Zitat wie auch dein Kommentar über Philosophie. Danke für den Link!

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