Gastartikel: 1Q84

Gastbeitrag von Yannic. Yannic schreibt auf der eigenen Website ueber Veganismus, Open Source, Linux, Minimalismus oder ganz allgemein sich selbst. In Zukunft vielleicht auch mehr ueber Queeres/Asexualitaet.

ein paar Hinweise vorweg:

  • ich habe nur Buch 1 und 2 auf deutsch gelesen
  • der Beitrag koennte Spoiler enthalten
  • das ist meine erste Rezension ever 😉

Ich bin froh, dass wir 1Q84 (von Haruki Murakami) mit auf unsere Reise nach Indien
mitgenommen haben, denn es stand kurz vorm Abflug noch ein anderes
Buch zur Auswahl. Jedenfalls habe ich es in einem Ashram in Indien
angefangen zu lesen, noch vor tschellufjek (der das Buch gehoert). Und
war in ca. einer Woche fertig damit.

Kurz vorweg der Umschlagstext (vom ersten und zweiten Buch)
von hier:

1984. Aomame hat zwei verschieden große Ohren. Beim Rendezvous mit einem reichen Ölhändler zückt sie eine Nadel und ersticht ihn – ein Auftragsmord, um altes Unrecht zu sühnen. Tengo ist Hobby-Schriftsteller. Er soll einen Roman der exzentrischen 17-jährigen Fukaeri überarbeiten, damit sie einen Literaturpreis bekommt. Der Text ist äußerst originell, aber schlecht geschrieben – ein riskanter Auftrag. Aomame wundert sich, warum die Nachrichten ihren Mord nicht melden. Ist sie in eine Parallelwelt geraten? Um diese Sphäre vom gewöhnlichen Leben im Jahr 1984 zu unterscheiden, gibt Aomame der neuen, unheimlichen Welt den Namen 1Q84.

Schon vom ersten Kapitel an (es beginnt mit Aomame) sind die 1021
Seiten der ersten beiden Buechern, die ich gelesen habe richtig
spannend. Das wird durch die regelmaessigen Cliffhanger am
Ende eines Kapitels nur verstaerkt, da sich Aomame und Tengo
abwechseln.

Buchcover 1Q84 Der Titel „1Q84“ erinnert (gewollt) an Nineteen Eighty-Four von George Orwell und ist interessant gewaehlt, da das Q (Kyū/キュー) im japanischen aehnlich klingt wie
die 9. (Kyū/きゅう). Der Titel in Hiragana lautet:
いちきゅうはちよん (Ichi-Kyū-Hachi-Yon), auf dem japanischen Buchcover
ist aber das Kyū ein Kew, was homophobn (was so ein kleiner Buchstabe ausrichten kann …) zu dem engl. Q:
/ˈkjuː/ ist (wenn es japanisch ausgesprochen wird).

Sehr aufgefallen sind mir die vielen Wiederholungen. Staendig hab ich
mir gedacht: „Hm, das hab ich doch schonmal gelesen …“. Aber so
bleiben einige Details auch laenger im Gedaechtnis 😉

Aus asexueller Perspektive ist das Buch teilweise etwas krass (je nach
Stufe auf der Gray-A-Skala), da die vielen Sex- bzw. Erotikszenen teilweise sehr
ins Detail gehen. Da gibt es doch auch dieses Hentai-Klischee ueber
Japan … 😉

Aber auch sonst sind die Szenen sehr genau und bildgewaltig
beschrieben, so faellt die Vorstellung sehr leicht. Klar, die „Puppe
aus Luft“ ist jetzt nicht so leicht vorstellbar, aber selbst hier
hatte ich Bilder im Kopf. Das Buch „Die Puppe aus Luft“ (jap.
空気さなぎ/Kūki Sanagi, engl. Air Chrysalis) von Fuka-Eri (ふかえり),
welches Tengo Kawana (川奈 天吾) ueberarbeitet, zieht sich lange durch
das eigtl. Buch, wird aber erst gegen Ende des 2. Bandes erzaehlt, als
Aomame (青豆) es liest. Auch dieses Mittel fand ich ganz interessant.

Nicht nur die asexuelle Perspektive ist interessant, auch der
romantische Aspekt will ich kurz erlaeutern. So ist eine Szene, die
schon 20 Jahre zurueckliegt, beiden (Aomame und Tengo) noch sehr gut
im Gedaechtnis. Und ihre Liebe zueinander (bewusst oder unbewusst) hat
ueber diese lange Zeit kein einziges Mal nachgelassen.

Soo wichtig ist es jetzt nicht unbedingt, aber ich will es dennoch
anmerken: der vegane Aspekt des Buches. So wird oft detailliert die
Ernaehrung der Personen beschrieben, die typisch fuer die japanische
Kueche viel Fisch enthaelt. Aber auch Sojabohnen und Tofu kommen nicht
zu kurz 😉
Besonders grausaum und bildgewaltig ist natuerlich die Ermordung des
Hundes (engl.) Bun (ブン) von Tamaru (タマル) durch die „Little People“
(リトル・ピープル). Anmerkung: die Suche nach dem Namen von Bun war gar
nicht so einfach, da er einfach nirgendwo auftaucht, was etwas fuer
die Unpersoenlichkeit der Tierwelt spricht ..

Im Buch gibt es einige Referenzen zu Musik oder Literatur, so wird
etwa die Sinfonietta von Leoš Janáček besonders haeufig erwaehnt.
Dadurch gibt es sogar einen kleinen Lerneffekt 😉

Meiner Meinung nach enthaelt Murakamis Werk auch etwas
Religionskritik, da bei der religioesen Gruppe bzw. Sekte Sakigake
(さきがけ), viele negative Aspekte erwaehnt werden. Das gleiche gilt
fuer den religioesen Kult „the Society of Witnesses“, in dem Aomames
Familie Mitglied war.

Das Ende des zweiten Bandes war super offen, daher war meine
Enttaeuschung auch ziemlich gross. Bis ich dann von dem dritten Buch
erfahren habe 😉
Eventuell teile ich daher hier meine finale Zusammenfassung mit,
sobald ich den dritten Teil gelesen habe.

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