Versaute A_sexuelle

Bei meiner allmonatlichen Recherche nach neuen Informationen (Artikel, Radiobeiträge etc.) über A_sexualität im deutschsprachigen Raum stieß ich auf einen Test der Frauenzeitschrift Jolie. Interessierte können bei deren Internetauftritt mit 8 Fragen eine Antwort auf die Frage finden, ob sie denn a_sexuell seien. Ich kenn zwar schon die Antwort in meinem Fall,  machte aber aus der Neugierde heraus mal diesen Test. Anhand welcher Fragen will die Jolie denn dies herausfinden?

Schauen wir uns doch mal die 8 Testfragen mit ihren Antwortmöglichkeiten genauer an:

1. Frage: Hättest du gerne eine Beziehung bzw. hast eine?

– Ja!

– Nein, (momentan) nicht. Ich hätte gerne so etwas wie eine Beziehung – eine starke   Bindung an einen Menschen, aber eher freundschaftlich.

Anmerkung: Der Wunsch nach einer Beziehung hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun! Des Weiteren wird in der zweiten Antwortmöglichkeit völlig außer Acht gelassen, dass es auch eine Zwischenstufe zwischen einer Freundschaft und einer sexuellen Beziehung gibt. Keiner würde auf die Idee kommen, Ehepaare, die seit ein paar Jahren schon keinen Sex mehr miteinander hatten, als Freunde zu bezeichnen (mal als Beispiel genommen).

2. Frage: Könntest du dich mit einer der klassischen sexuellen Orientierungen (hetero-, homo-, bisexuell) identifizieren?

– Nein, ich fühle mich in keine der Richtungen hingezogen.

– Ja!

– Ich weiß es nicht.

Anmerkung: Das müssen ja echte Genies in der Redaktion sein…

3.Frage: Du kuschelst gerne und tauschst Zärtlichkeiten aus….aber:

– Nichts aber, dafür bin ich eigentlich immer zu haben. Es muss ja nicht zwangsläufig auf Sex hinauslaufen.

– Bikinizone ist tabu, auch für Zungenküsse bin ich generell nicht zu haben.

– Ich fühle mich unwohl sobald ich merke, dass mein Partner mehr will.

4. Frage: Was fühlst du in Bezug auf sexuelle Erregung?

– Das Gefühl kenne ich, es ist für mich normal.

– Das ist für mich eher ein Ärgernis.

– Ich empfinde wenig oder keine sexuelle Erregung.

5. Frage: Es ist Freitagabend und dein Partner schlägt ein gemeinsames Bad vor. Du …

– bist begeistert und natürlich mit dabei.

– willst lieber den Film in Ruhe zu Ende sehen.

– lehnst ab– Baden wilst du lieber allein.

Anmerkung: Inwiefern dies auf meine sexuelle Orientierung schließen lässt, ist mir ein Rätsel. Es sei denn, die Ersteller_innen dieses großartigen Tests denken, dass wir alle ein gestörtes Verhältnis zu unserem Körper haben und nicht nackt unter die Dusche springen.. Egal, ob hetero-, homo- oder a_sexuell, ich denke, dass die Reaktion auf einen solchen Vorschlag stark kontext- bzw. situationsabhängig ist bzw. von der Stimmung der einzelnen Personen abhängt. Wenn mensch generell kein Bad zu Zweit mag, hat dies nichts mit seiner_ihrer sexuellen Orientierung zu tun!

6. Frage: Hast du grundsätzlich Lust auf Sex?

– Nein.

– Definitiv ja!

– Grundsätzlich ja – aber häufig bin ich tatsächlich lustlos. Ich denke, das liegt vor allem am vielen Stress, an den Hormonen etc. …

Anmerkung: Wer diese Frage mit Ja! beantwortet, macht doch keinen Test mit dem Titel „Bist du asexuell?“! Oder liege ich da falsch?

7. Frage: Fühlst du dich von anderen Menschen angezogen?

– Selten sexuell, häufiger auf „platonischer“ Ebene.

– Ja! Erst Recht, wenn ER einen sexy Knackpo hat oder wahnsinnig blaue Augen …

– Nein, nicht körperlich.

Anmerkung: Ich liebe das Vokabular von Frauenzeitschriften!

8. Frage: Hast du in Bezug auf Sex manchmal das Gefühl, „nicht normal“ zu sein?

– Ja, durchaus – obwohl weniger ich ein Problem damit habe, an Sex nicht interessiert zu sein, als meine Umwelt.

– Nein.

– Ich fühle mich nicht direkt „unnormal“, denke aber z. B., dass es andere bestimmt öfter tun.

Nach diesen sehr vagen Fragestellungen war ich sehr gespannt auf das Ergebnis. In meinem Falle fand die Jolie Folgendes heraus:

Du bist sehr wenig bis gar nicht an Sex interessiert

Du hast einige Fragen, die auf Asexualität hinweisen, mit „ja“ beantwortet. Wie stark diese bei dir ausgeprägt sind und wie wohl du dich damit fühlst, hängt allerdings allein von dir ab. Du gehörst jedenfalls zu einer Gruppe von Menschen, die an Sex einfach nicht interessiert sind, wohl aber an einer engen Bindung zu einem Partner.
Wahrscheinlich ist es eher das, was dir im Alltag Probleme macht, denn die Suche nach einem oder einer „Gleichgesinnten“ kann schwierig sein. Asexuelle Menschen haben häufig nichts gegen den Austausch liebevoller Zärtlichkeiten, ab der Bikinizone ist in der Regel aber Schluss. Die meisten Betroffenen sehen dies nicht als Problem oder gar „Krankheit“ an – und das ist auch ganz richtig so!

 Für die grauenhaften Fragen und Antwortmöglichkeiten ist dieses Resultat ganz nett forumliert. Insbesondere der letzte Satz hat einen schönen symbolischen Charakter. Dass jedoch alle A_sexuelle an einer engen Bindung zu einem Partner interessiert sind, trifft nicht zu. Hier werden Aromantiker_innen abermals unter den Teppich gekehrt.*

Nachdem ich diesen kleinen Text gelesen hatte, fiel mir links auf dem Bildschirm ein weiterer Test ins Auge. Da ich daran interessiert war, herauszufinden, ob die Resultate nach dem Zufallsprinzip ausfallen oder wirklich durchdacht sind, machte ich den Test „Wie versaut sind Sie?“. Ich kann euch schon vorab sagen, dass das Ergebnis euch verblüffen wird. Diesmal habe ich meine Antworten angegeben, damit ihr die ganze Bandbreite des Widerspruchs erkennt.

1.Frage: Sie werden in der Disco mit den Worten „Lust zu ficken?“ angemacht. Wie reagieren Sie?

– Meine Antwort ist „Ja klar“ und ich gehe mit

– Über so eine Anmache kann ich nur müde lächeln. Vielleicht ist der Typ aber gar nicht so schlecht?

– Ich drehe mich empört weg, die Anmache ist mir zu plump

2.Frage: Haben Sie schon mal einen Porno gesehen?

– Igitt, natürlich nicht.

– Ja, ich habe schon mal einen gesehen. Aber das ist eher was für Jungs, mich machen Pornos nicht an

– Selbstverständlich, ich schaue oft mit meinem Partner Pornos. Das macht uns beide an!

Anmerkung: Ich bin nicht der Meinung, dass Pornos eher was für Jungs sind. Erst letztens habe ich erfahren, dass es einen feministischen Pornofilmpreis gibt, der Pornos ehrt, in denen die Frau nicht erniedrigt wird. Es gibt also selbst in dieser Branche Niveau.  Und anders als es die Gesellschaft nach wie vor zu glauben scheint, gibt es viele Frauen, die sich gerne Pornos anschauen.

3. Frage:  Sind Sie schon mal ohne Höschen aus dem Haus gegangen?

– Nur, wenn ich es aus Versehen vergessen habe

– Ja sicher, das ist total sexy. Ich fühle mich heiß, verrucht und begehrenswert

– Das würde ich nie tun, ich hole mir sonst nur eine Blasenentzündung

Anmerkung: Ich hätte am liebsten eine andere Antwort hinzugefügt, denn der Grund dafür, dass ich nie ohne „Höschen“ aus dem Haus gehe, ist der, dass ich es einfach unbequem und unangenehm finde. Mit der Gefahr, sich eine Blasenentzündung einzufangen, hat dies nichts zu tun.

4.Frage: Sie sind mit einem Haufen Jungs unterwegs. Wie reagieren Sie auf deren schweinische Witze und sexuelle Anspielungen?

– Wieso? Da kann ich locker mithalten, ich erzähle die besten Witze im ganzen Land

– Ich muss schon ab und zu schmunzeln

– Ich bin total genervt, das ist doch kindisch und albern

5. Frage: Sie sind auf einer ausgelassenen Party und auf einmal schlägt jemand vor, „Wahrheit oder Pflicht“ zu spielen. Was tun Sie?

– Ich verlasse fluchtartig die Party, wir sind doch hier nicht im Kindergarten

– Ich warte, bis endlich jemand auf meinen grandiosen Vorschlag reagiert und mit mir spielt!

– Ich warte ab, was die Mehrheit dazu sagt. Ich möchte ja auch kein Spielverderber sein

Anmerkung: Mein Dilemma bei solchen Spielen habe ich ja bereits in meinem Blogartikel „Die Kunst des Coming-outs“ geschildert.

6. Frage: Woran denken Sie, wenn Sie das Bild links betrachten?

– Ganz klar, an einen heißen Blow-Job und an das beste Stück meines Freundes

– Lecker, so eine Gurke!

– Sollte ich auch mal wieder kaufen Ein bisschen lachen muss ich schon über die Form einer Gurke…

7. Frage: Sieht man Sie auch mal oben ohne?

-Nein, meine Brüste darf nur mein Freund und vielleicht mein Frauenarzt sehen

– Im Urlaub, wo mich niemand kennt, sonne ich mich schon mal oben ohne

– Erst letzte Woche habe ich wieder oben ohne auf dem Tresen getanzt. Schuld war wohl der Alkohol!

8. Frage: Würden Sie bei einem Gangbang mitmachen?

– Zuschauen würde ich vielleicht schon mal, aber selbst mitmachen: Nein, danke!

– Warum nicht, ist doch spannend

– Was ist denn bitte ein Gangbang?

– Noch nie gehört

Anmerkung: Natürlich habe ich schon was von einem Gangbang gehört, die Antwort „Ich würde weder zuschauen noch aktiv mitmachen wollen“ stand aber leider nicht zur Auswahl!

9. Frage: Wieviele One-Night-Stands hatten Sie?

– Das kann ich schon nicht mehr zählen, es waren einfach zu viele

– Keine Ahnung, ein paar waren es schon.

– Wenn ich keine Beziehung habe, lasse ich mich auch mal auf etwas Unverbindliches ein

– Gar keinen! Ich stehe nicht auf diesen Quatsch

Anmerkung: Mich stört das „Ich stehe nicht auf diesen Quatsch“. Wenn jemand gerne One-Night-Stands hat und diese auch im gegenseitigen Einvernehmen mit der jeweils anderen Person stattfinden, soll er_sie doch tun und lassen können, was er_sie will.

Tja, das Ergebnis hat mich, sagen wir mal, vom Hocker gerissen.

Die Jolie stellte nämlich fest:

Sie sind eine Sau…

Ihr Versautheitsfaktor ist extrem hoch, Sie denken eigentlich den ganzen Tag an Sex. Sie haben immer einen versauten Spruch oder Witz parat, und sind sich Ihrer Sexualität durchaus bewusst. Manchmal sollten Sie aber auch mal einen Gang runter schalten: Nicht alles im Leben dreht sich um Sex!

Ähm, ja…. natürlich 🙂

*Wobei auch diese eine enge Bindung zu einem_r Partner_in haben und wollen können. Hierzu ein anderes Mal!

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Über tschellufjek

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2 Antworten zu Versaute A_sexuelle

  1. Chris schreibt:

    Danke für diesen Artikel. Ich musste herzlich lachen 😀

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