Zugbekanntschaften

Zugfahren ist an für sich nicht mein Hobby. Meistens befinde ich mich mit permanent schreienden Kindern oder nervigen, von der Pubertät gezeichneten, Jugendlichen in einem Abteil. Zwischendurch habe ich aber auch Glück und ich sitze neben sehr interessanten und netten Menschen, die mir ihre spannenden Lebensgeschichten erzählen. Vor ein paar Jahren lernte ich im Thalys von Paris nach Köln eine junge Angolanerin kennen, die mir von dem angolanischen Bürgerkrieg und ihrer Flucht erzählte. Ich hatte damals noch nie etwas über einen Bürgerkrieg in Angola gehört und war sehr schockiert über ihren Bericht. Insbesondere war ich jedoch beeindruckt von der Willenskraft dieser Frau, die als Oppositionnelle von der Regierung gejagt wurde und der nur unter sehr schwierigen Umständen die Flucht nach Frankreich gelang. Dieses Gespräch ist schon lange her und dennoch erinnere ich mich ganz gut an die Frau und ihre Geschichte. Es war eine unvergessliche und erquickende Bekanntschaft.

Gestern machte ich erneut eine solche Bekanntschaft. Diesmal war es im TGV zwischen Nantes und Paris. Da denke ich seit ein paar Monaten darüber nach, meinen Master in den internationalen Beziehungen zu machen und prompt lerne ich zufällig eine französische Diplomatin des Ministère des Affaires étrangères (Außenministerium) kennen, die bereits in Nepal und Italien unter anderem für die französische Regierung tätig war. Wir redeten sehr viel über die Europäische Union, da sie auch in Brüssel arbeitete und dort einen guten Einblick in die Institutionen bekam. Sie frühstückte dort sogar einst mit Angela Merkel, eine Frau, die sie für sympathisch und bemerkenswert, ihre Politik jedoch für kritikwürdig hält (was mir diese Diplomatin nur noch sympathischer machte!). Da ihr Sohn Deutsch studiert und sie Freunde in Saarbrücken hat, redeten wir viel über Deutschland und die deutsch-französischen Beziehungen und ich schrieb ihr ein paar Internetseiten auf, über die ihr Sohn Jobs in Deutschland finden kann. Die Zeit verging rasend schnell und kurz vor Paris (es waren 2 Stunden vergangen, in denen wir nicht aufgehört haben, zu reden) fragte sie mich nach meinen Kontaktdaten!!

Und so kam es, dass die Kontaktdaten einer jungen deutschen Studentin Eingang ins Adressbuch einer französischen Diplomatin fanden.

Merci la SNCF!

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Über tschellufjek

In Bearbeitung ;)
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