Brest – Die „Ozeanmetropole“

Mein dreimonatiger Aufenthalt in der bretonischen Hafenstadt Brest neigt sich nun dem Ende zu. Meine furchtbare Hinfahrt hatte ich bisher erfolgreich verdrängt, nun ist es an der Zeit, sich über die Rückfahrt Gedanken zu machen. Mir graut es. Ungefähr 11 Stunden mit kurzer Pause liegen zwischen mir und dem Wohnort meiner Mutter, davon 10 1/2 Stunden Autobahn. Vielleicht haben die Franzosen so viele Mautstationen errichtet, um den_die halbschlafende_n Autobahnfahrer_in ab und an wachzurütteln. Das wäre ja eine durchaus noble Intention, aber warum so teuer?? Jedenfalls hat meine Hinreise mir einmal mehr deutlich gemacht, warum ich die Bretagne so gerne habe: Sie ist die einzige Region Frankreichs ohne Maut!* Diesen enormen Vorteil haben die Bretonen ihrer ehemaligen Herzogin Anne de Bretagne zu verdanken. Als diese im Jahre 1483 den französischen König heiratete, um Unruhen und blutigen Auseinandersetzungen zuvorzukommen, verlor die Bretagne ihre Unabhängigkeit. Allerdings erfolgte dieser Verlust  nicht bedingungslos. So wurde unter anderem auf Wunsch Anne de Bretagnes vertraglich festgelegt, dass der Verkehr in der Bretagne immer frei und kostenlos sein wird. Diese Vertragsklausel ist bis heute gültig. Da wir bis heute keine Maut haben in Deutschland, wissen wir diese Freiheit gar nicht zu schätzen. Ich habe sie auch erst in meiner Zeit in Metz schätzen gelernt. Immer, wenn ich nach Saarbrücken fuhr (ca. 1 Stunden Autofahrt), musste ich insgesamt 8,80 Euro für Hin-und Rückreise entbehren, welche zusätzlich zu den Tankkosten anfielen. Auf meinem Weg nach Brest musste ich durch 4 mautpflichtige französische Regionen hindurch. 6 Mal musste ich anhalten und zahlen, was mich am Ende ca. 35 Euro kostete (und dies ist noch billig verglichem mit einer Reise vom Norden in den Süden Frankreichs!). Nun ja, ich war also ziemlich genervt bei meiner Ankunft 🙂 Hinzu kam, dass der darauffolgende Tag in Frankreich ein Feiertag war – was ich vergessen hatte. Ich ernährte mich also den ganzen Tag lang von Subway…

Manchmal muss man die Hölle durchqueren, um zum Paradies zu gelangen!

Nach dieser furchtbar ätzenden Reise begann jedoch eine unvergesslich schöne Zeit.  Zwar verbrachte ich einen Großteil meines Aufenthaltes  auf meinem Praktikumsplatz, aber angesichts des sehr  jungen dynamischen Teams war dies nicht weiter schlimm. Meine Chefin hatte erst kürzlich ihr Studium beendet und ich befand mich in einem Büro mit zwei weiteren jungen Praktikanten, darunter ein Chinese, mit dem ich zusammen am „Journée de l’Europe“ („Europatag“) das Fußvolk über die Europäische Union aufklärte. Das war schon ein herrliches Bild: Yuchen, chinesischer Staatsbürger, der vor gut einem Jahr nach Frankreich kam und erst vor Ort die Sprache erlernte,  erklärte den französischen Passanten die EU (auf Französisch versteht sich)!

Um auch außerhalb meiner Arbeitsstelle Kontakte zu knüpfen, wohnte ich einem allwöchentlich stattfindenden internationalen Treffen in einer Brester Bar bei.** Dort lernte ich eine ganze Traube an Leuten unterschiedlicher Herkunftsländer kennen, mit denen ich die restliche Zeit viele Aktivitäten zusammen machte. Barbecues, Wanderausflüge, Konzerte und Kinobesuche, stets war ich begleitet von polyglotten Franzosen_Französinnen, Lateinamerikanern_innen, Spaniern_innen, Polen und Amerikanern_innen!! Ich hatte also endlich die Möglichkeit, all meine Fremdsprachen zu praktizieren und war ziemlich froh und stolz als meine galizianische Freundin mir ein gutes Spanisch attestierte! Ein großer Dank gilt deshalb an dieser Stelle meiner lieben Studienkollegin und Freundin, Anna, die mir den Tipp für dieses internationale Treffen gegeben hat!

Wir ihr anhand meiner vorherigen Posts sehen könnt, war ich viel in der Umgebung wandern und habe paradiesische Orte kennengelernt. Seit dem Ende meines Praktikums habe ich es auch endlich geschafft, meine ganzen Bekanntschaften im Süden des Départements wiederzusehen. Dank meiner Ferienjobs/Praktika und Schüleraustausche habe ich noch eine Menge an Kontakten in und um Quimper. Eine Freundin baut momentan ein Haus in Pont l’Abbé und sie hat mir bereits versichert, jederzeit dort unterkommen zu können 🙂 Dieser Aufenthalt wird also definitiv nicht mein letzter in dieser Region gewesen sein!

Diese Woche werde ich das Festival de Cornouaille besuchen, ein Folklore-Festival, welches die bretonische Musik in den Vordergrund stellt und Folklore-Musiker_innen aus der ganzen Welt für eine Woche nach Quimper holt. Workshops, Konzerte und Tänze finden den ganzen Tag lang statt und sind größtenteils kostenlos. Am Abend finden dann immer ca 5-6 Konzerte an unterschiedlichen Orten in Quimper statt. Diese kosten zwischen 9-25 Euro Eintritt (in der Regel). Stargast ist dieses Jahr Sinead O’Connor. Zum Abschluss erfolgt dann am Sonntag der große Umzug mit den „Bagaden“ (bretonische Folkloregruppen) der verschiedenen Dörfer und Städte. Zudem beginnt am Donnerstagabend die sogenannten „jeudis du port“ („Donnerstage des Hafens“). Einen Monat lang gibt es jeden Donnerstag am Brester Hafen unzählige Animationen (Straßentheater etc.) und am Abend mehrere kostenlose Konzerte. Fressbuden fehlen natürlich auch nicht. Besser und ästhetischer kann ein Industriehafen nicht in Szene gesetzt werden. Der Bericht von dem ersten „jeudi du port“ des Jahres erfolgt dann in den nächsten paar Tagen hier auf meinem Blog!

Wer sich mal nach Brest und Umgebung verirren sollte, dem seien folgende Orte/Aktivitäten nahegelegt:

Orte:

In Brest: Plage du Moulin blanc, Parc public du vallon de Stangalar, La Cavale Blanche, Parc de Penfeld, Rue de Siam, Rue Jean Jaurès, Port de commerce, Lambézellec.

Dörfer und Städte des Finistères: le Conquet, Camaret-sur-mer, Crozon, Carhaix, Le Faou, Cap de chèvre, Pointe St Mathieu, Pointe du raz, Penmarc’h, Quimper, Pont l’Abbé, Loctudy, Douarnenez, Concarneau, Le Guilvinec, Nevez, Ile-Tudy, Les Glénan, Pont-Aven, La Torche….

Festivals: Festjazz de Châteaneuf-du-Faou, Festival du Bout du Monde, Vieilles Charrues, Jeudis du port, Festival de Cornouaille….

Und hier noch ein paar schöne Bilder:

 

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Küste von Brest

Château de Brest

Château de Brest

Pont de Recouvrance

Pont de Recouvrance

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Brest by night

Schiffe am Hafen von Brest

Schiffe am Hafen von Brest

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

* Und die Hauptlandstraßen sind dennoch in einem guten Zustand!

** Das ist eine Strategie, die ich nur jedem empfehlen kann, der in eine neue Stadt zieht. Bei internationalen Treffen lernt mensch Leute kennen, die in der gleichen Situation sind wie mensch selbst und daher kontaktfreudiger und offener sind.

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