Devanagari: Eine Schrift zum Verzweifeln

Wie in meinem letzten Post angekündigt, versuche ich mich seit ein paar Tagen an der Lernplattform Memrise, welche kostenlos tolle Vokabelhilfen für alle „Fremdsprachen-Fans“  anbietet. Da es bald nach Indien geht, liegt mein Augenmerk derzeit auf dem Erwerb einiger brauchbaren hindischen Wörter und Sätze*. Als ich sah, dass auch eine Lerneinheit zum Erlernen der Devanagari-Schrift angeboten wurde, schob ich dieses Ziel erst einmal bei Seite, da ich der Meinung war, dass die Kenntnis der Buchstaben die der Wörter vorausgehen soll. Bevor ich kurz mein trauriges Fazit erläutere, stelle ich euch kurz und bündig diese prachtvolle Schrift vor:

Devanagari ist ein Schriftsystem, welches hauptsächlich für die Verschriftlichung der indischen Sprachen Hindi und Marathi verwendet wird. Es ist die seit dem 11. Jahrhundert vorherrschende Schrift in Indien. Die Devanagari-Schrift besitzt 33 Konsonanten, 13 Vokale und 2 Zusatzlaute. Anders als das Japanische, stellen die Schriftzeichen im Hindischen jeweils nur einen Laut dar.  Charakteristisch für die Devanagari ist des Weiteren der die Laute/Buchstaben in einem Wort verbindende Kopfstrich, rekha genannt, welcher der Schrift einen sehr ordentlichen und geschliffenen Touch verleiht. Als Herr-der-Ringe-Fan würde ich persönlich die Devanagari als eine kompliziertere und komplexere Form des Sindarins beschreiben 🙂 Beide Schriften haben eine gewisse Komplexität gemischt mit einer enormen Ästhetik gemeinsam.

Meiner Meinung nach ist die Devanagari eine der schönsten Schriften dieses Planeten. Diese Schönheit hat für Lernende jedoch ihren Preis. Insbesondere diejenigen, die bereits die lateinischen Buchstaben kaum leserlich schreiben können und keinerlei Interesse am Zeichnen haben, werden beim Erlernen dieser Schrift ihre Schwierigkeiten haben. Ich konnte mir zwar die einzelnen Zeichen für ein paar Stunden merken, hätte sie aber nie schriftlich wiedergeben können. Die einzelnen Buchstaben der Schrift beinhalten dermaßen viele kleine Details, dass der_die Anfänger_in zu Beginn stundenlang braucht, um auch nur einen lesbaren Satz zu schreiben. Hinzu kommt, dass sich für unsere Augen manche Zeichen kaum voneinander unterscheiden.

Mein Fazit: Es empfiehlt sich zunächst ein paar Worte und Sätze über die Lautschrift zu erwerben, um ein Feeling für die Sprache zu entwickeln. Das Erlernen von Zeichen geht immer schneller, wenn wir bereits eine gewisse Vorstellung von dem haben, was sich hinter den Zeichen verbirgt. Ich lerne momentan per Youtube und anderen Hilfsseiten das Basisvokabular für eine_n Tourist_en und werde mich in ein paar Wochen wahrscheinlich noch einmal an die Schrift wagen. Da ich stets ziemlich ordentlich schreibe, wenn ich das kyrillische Alphabet anwende, habe ich die Hoffnung, meine motorischen Fähigkeiten durch die Devanagari aufzubessern. Mal schauen, was aus diesem Vorhaben wird….

 

 

*Ich bin mir darüber bewusst , dass in Maharashtra hauptsächlich Marathi gesprochen wird und  in Indien ohnehin unzählige Sprachen kohabitieren. Dennoch gilt Hindi neben Englisch als Lingua Franca in diesem südasiatischen Land und da ich kein Fan der sprachlichen Hegemonie bin, versuche ich zumindest eine der vielen Sprachen Indiens ein wenig während meines Aufenthaltes zu sprechen.

 

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Über tschellufjek

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3 Antworten zu Devanagari: Eine Schrift zum Verzweifeln

  1. Jaja, Devanagari… die kenne ich auch. Ich hatte im Studium Sanskrit, wir haben hauptsächlich mit einer Umschrift gearbeitet, sollten uns aber auch ein wenig mit der Originalschrift bekanntmachen. Ich habe mir damals Karteikarten gemacht, die viel mit mir herumgeschleppt und immer wieder draufgeguckt. Eine Zeitlang konnte ich dann auch relativ viele Zeichen erkennen. Inzwischen habe ich das meiste wieder vergessen, aber vor zwei Jahren oder so habe ich mir mal ein hübsches Tuch mit eingewobenen Glitzerfäden gekauft, auf dem in Devanagari „Hare Krishna, Hare Rama“ stand und das konnte ich lesen bzw. ich vermutete stark, dass die Zeichen das bedeuteten und ein bisschen Sucherei in meiner Tabelle zuhause bestätigte das.
    Mein geschriebenes Kyrillisch sieht immer ziemlich furchtbar aus, Griechisch kriege ich etwas besser hin. Was komisch ist, da ich mit Russisch viel früher angefangen habe.

    • tschellufjek schreibt:

      Was hast du denn für ein interessantes Studium gemacht? Romanische Sprachen, Sanskrit …. Da bist du sprachlich ja ganz schön herumgekommen 😉

      Karteikarten sind eine Option. Ich verschlampe nur so ziemlich viel, vor allem Zettel!

      Ich bin des griechischen Alphabets leider nicht mächtig – wenn wir von den paar Zeichen absehen, die ebenfalls auch in der Mathematik gebraucht werden 🙂 Daher kann ich diesbezüglich keinen Vergleich anstellen. Mir erscheint das griechische Alphabet (hat dies übrigens auch einen bestimmten Namen?) jedoch ein wenig komplizierter von den Zeichen her. Kyrillisch finde ich so herrlich unkompliziert und dennoch weitaus ästhetischer als unser Alphabet..

  2. Ich habe ein Magisterstudium absolviert – Hauptfach Italienisch, Nebenfächer Französisch und Indogermanistik, da kommt schon einiges vor. Muss aber dazu sagen, dass ich einfach sehr interessiert war und mich auch mit Dingen beschäftigt habe, die nicht Pflicht waren, Altfranzösisch und Okzitanisch z.B.
    Das griechische Alphabet ist eigentlich einfach, es hat nur 24 Buchstaben. Das Schwierigste an der griechischen Sprache ist definitiv nicht die Schrift. :/ (Ich war nie gut in (Alt-)griechisch.
    Meine Karteikarten hatte ich immer in der Tasche, die ich zur Uni nahm, mit einem Gummi umwickelt, so dass sie hübsch zusammenblieben. Der Packen, den ich gekauft hatte, enthielt Karten in verschiedenen Farben, so konnte ich eine für Konsonanten, eine für Vokale und eine für Ligaturen (von denen wir zum Glück nicht so viele lernen mussten) nehmen , das war ganz praktisch.

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