Asexualität in den deutschen Medien – Teil 2

Im zweiten Teil meiner Serie „Asexualität in den deutschen Medien“ präsentiere ich euch  Artikel des deutschen Internetportals web.de, der Welt und der Zeit. Auch diesmal bin ich auf einige sprachliche Fauxpas gestoßen, die irreführend. Im Folgenden werde ich wieder kurz und knapp den Inhalt der einzelnen Artikel resümieren und problematische sowie gute und aussagekräftige Informationen oder Aussagen der einzelnen Artikel präsentieren.

Der erste Artikel wurde im Dezember 2011 auf dem  Internetportal web.de publiziert und beinhaltet allgmeine Infos über die Asexualität, ohne ein Einzelbeispiel zu präsentieren. Sprachlich gesehen ist dieser Text stellenweise eine Katastrophe, weil viele der verwendeten Nomen, Verben und Adjektive irreführend und in diesem Kontext völlig fehlplatziert sind. Der Untertitel wartet  sofort mit einem herrlichen Widerspruch auf. Die Autorin stellt die allgemeine Behauptung auf, dass Sex zum Leben dazugehöre, „wie die Luft zum Atmen“, was  „besonders in einer Partnerschaft“ gelte. Dann fügt sie jedoch hinzu, dass dies nicht bei allen Menschen so sei.  Warum dann diese Einleitung? Wenn sie ein „viele Leute denken, dass…“ hinzugefügt hätte, wäre dieser Anfangssatz ja kein Problem. Aber so ist er einfach nur paradoxal.  Hinzu kommt, dass in diesem Artikel die Asexualität als ein Leiden dargestellt wird. So „leiden“* wir der Autorin zufolge an „permanenter Unlust“  und seien „Betroffene“.  Im nächsten Satz folgt dann ein weiterer sprachlicher Fauxpas, denn Asexualität ist keine „Möglichkeit“ einer sexuellen Orientierung, sondern ist schlichtweg eine sexuelle Orientierung. Möglichkeit klingt nach einer Wahl, einer Entscheidung. Asexualiät ist jedoch nicht mit dem Zölibat zu verwechseln, wie dieselbe Autorin auch später im Artikel erwähnt.  Nun ja, Semantikfehler kommen schon mal vor. Weiter im Text:

Statistische Erhebungen oder gar eine genaue Begriffsdefinition gibt es bislang nicht.

Ähm, doch! Wenn sie hinzugefügt hätte, dass es keine statistischen Erhebungen für Deutschland gebe, wäre ihre Aussage richtig. Es gab allerdings zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Onlineartikels bereits im englischsprachigen Raum empirische Studien über Asexualität, die in dem Zeit-Artikel von 2009 auch erwähnt werden. Und eine genaue Begriffsdefinition wird auch im deutschprachigen Raum von der hiesigen Aven-Seite gegeben, die ich sogar weitaus besser finde als die englischsprachige Definition, da sie allgmeiner ist und alle Typen der Asexualität berücksichtigt.** Nach dem ersten Abschnitt wird der Artikel jedoch erstaunlich informativ und positiv. So werden beispielsweise die 4 Typen von Asexualität aufgezählt und es wird ebenfalls hinzugefügt, dass die fehlende Lust nach sexueller Interaktion nicht zwangsläufig pathologische Gründe haben muss und dass viele von uns „sogar“ glücklich sind :).  Diese Ergänzung findet sich übrigens in vielen Artikeln über das Thema wieder und bringt mich jedes Mal zum Schmunzeln. Leider knüpft das Ende qualitätstechnisch an den Anfang an. Hier wird von dem „Phänomen der permanenten Unlust“ gesprochen und ein Sexualwissenschaftler attestiert uns eine „‚gesunde‘ Reaktion auf die totale Durchdringung unserer Gesellschaft mit Sex“. Hiermit habe ich ein Problem, denn meine Asexualität ist kein politisches oder sonstiges  Statement.  Ich sehe mich nicht in einer Reaktionshaltung… Naja, insgesamt betrachtet kann dennoch von einem ganz informativen Artikel gesprochen werden, dessen sprachliche Fauxpas keine bösen Absichten hegen.

Der zweite Artikel, den ich euch hier präsentiere, stammt aus dem letzten Jahr und wurde von der Welt in der Rubrik „Panorama“ veröffentlicht. Titel und Untertitel setzen direkt auf Dramatik, die uns in 13 „Kapiteln“ präsentiert werden soll. Unterhalb der Überschrift ist ein Bild von der „jungen Frau, die keine Erregung empfindet“ abgedruckt, welches sie mit der Hand vorm Gesicht auf einem Bett zeigt. Nun stellen sich mir folgende Fragen: Wenn sie nicht erkannt werden will, warum wird überhaupt ein Foto von ihr gemacht? Warum um Himmels willen muss sie auf einem Bett liegend gezeigt werden? Trotz dieses seltsamen Intros ist der Artikel selbst ziemlich erfrischend, da er aus der Sicht der jungen Frau erzählt wird, die hier auch gleich mal die albernen Reaktionen vieler Menschen aufzeigt. Warum muss ich nach Gründen suchen? Warum muss ich meine Asexualität unter Beweis stellen? Dies sind sehr gute Fragen, die direkt zu Beginn in den Raum gestellt werden. Besonders positiv finde ich, dass hier sehr offen mit dem Thema umgegangen wird und dass die Geschichte der zu Wort kommenden asexuellen Frau, die uns unter dem Namen Leonie vorgestellt wird, mit sehr vielen Vorurteilen und Missverständnissen aufräumt. Nein, wir haben nicht alle körperliche Dysfunktionen oder Traumata. Nein, Körper und Geist sind nicht immer einer Meinung und nein, Sex ist nicht für alle so spannend/aufregend/befriedigend wie uns stets weißgemacht wird.  Zudem wird indirekt auf die Bedeutung der Sichtbarmachung von Asexualität aufmerksam gemacht, da die junge Frau vermutlich nicht halb so viele unangenehme sexuelle Abenteuer eingegangen wäre, hätte sie von Anfang an ein Wort*** für ihre fehlende Lust nach sexueller Interaktion gehabt, welches auch von ihren Mitmenschen anerkannt worden wäre. Ein weiterer sehr positiver Aspekt dieses Artikels ist die Hinterfragung des Hypes, der um das Thema Sex  betrieben wird. Warum brüsten sich Leute damit, 4 Orgasmen hintereinander haben zu können und „gut im Bett“ zu sein?  Erstaunlich nüchtern stellt Leonie  fest:

Sex ist die Währung, mit der man Liebe kauft […] und schlecht im Bett zu sein, kann sich keiner leisten. 

Die Verfasserin des Artikels fügt dem noch folgenden Satz hinzu:

Leonie möchte gehalten werden, wenn sie krank ist, und sie möchte, dass jemand alles über sie wissen will. Aber wie soll das gehen, ohne Sex?

Hier wird endlich mal auf eine sehr simple Art und Weise auf das Hauptproblem der meisten Asexuellen aufmerksam gemacht. Die meisten von uns streben ebenfalls nach Intimität mit einer geliebten Person, wissen allerdings nicht, wie sie dieser Person klarmachen sollen, dass sie ein anderes Verständnis von Intimität haben. Eingeschüchtert von dem „klassischen Beziehungsbild“, welches uns in Gesprächen mit unserem Umfeld und den Medien vermittelt wird, geben wir häufig auf, bevor wir auch nur irgendwas versucht haben. Und da Liebe und Sex häufig als ein und dasselbe erachtet werden, ist diese ganze Geschichte ebenfalls für unseren „sexuellen“ Gegenüber schwierig, da auch dieser von seinem Umfeld und den Medien beeinflusst wird. Das ist ein wahrhafter Teufelskreis.. Ich hoffe, dass diese verstörende Geschichte von Leonie den Leser_innen klargemacht hat, dass die Sichtbarmachung von Asexualität wichtig ist: Für uns und alle, die mit uns interagieren.

Der Artikel „Sex? Ohne uns“ der Wochenzeitung Die Zeit wurde zwar vor 5 Jahren publiziert, ist jedoch in meinen Augen der bis heute beste Artikel über Asexualität im deutschen Raum. Dies liegt zum einen daran, dass bereits von Anfang an der Begriff entpathologisiert wird und zum anderen daran, dass die Autorin sogar einen Blick in die Geschichte wirft und das Thema sehr umfangreich behandelt. Während die beiden anderen Artikel zu Beginn von einem Leiden sprechen, macht dieser von Anfang an klar, dass es sich bei der Asexualität um eine sexuelle Orientierung handelt, welche nicht nur von Asexuellen selbst als „normal“ erachtet wird, sondern auch von „Experten“:

Kann es normal sein, einfach kein Interesse an Sex zu haben? Und das nicht nur für ein paar Tage oder Wochen, sondern jahrelang? Sein ganzes Leben? Ja, es ist normal, sagen nicht nur all jene Menschen, die freiwillig – und glücklich – enthaltsam leben, sondern nun auch Experten, die Asexualität als neue sexuelle Orientierung anerkennen

Im ersten Abschnitt wird dann ein Zitat**** von Hans Christian Andersen angeführt, welcher als ein prominentes Beispiel dieser sexuellen Orientierung vorgestellt wird. Die Autorin setzt diese Äußerung des bekannten Dichters Schriftstellers in den historischen Kontext und macht darauf aufmerksam, dass zu dieser Zeit eine Ehe durch Sex „vollzogen“ wurde und der Mann das Recht hatte, seine Ehefrau zum Geschlechtsverkehr zu zwingen. Die Ablehnung der „Fleischeslust“ wurde nur bei religiösen Gründen toleriert. Laut der Journalistin hat sich dies bis heute nicht geändert. Eine Liberalisierung der Sexualität ist zwar erfolgt, aber die Ablehnung von Geschlechtsverkehr werde bis heute als „verklemmt“ und krank angesehen. Auf diese Feststellung folgt eine wirklich gelungene und eloquente Einleitung der sich bildenden „Asexuellen-Community“. Ein Abschnitt fasst dabei noch einmal wunderschön zusammen, was ich in einigen Posts  stets besonders hervorzuheben versuchte :

Den meisten von ihnen geht es freilich nicht um kämpferische Aktionen, sondern darum, für sich selbst akzeptieren zu lernen, was in einer sexualisierten Gesellschaft immer noch als unnormal gilt: keine oder wenig Lust auf Sex zu haben. Und sich darin gegenseitig zu unterstützen. 

Darauf folgt ein in den Fließtext integriertes Interview mit einer  Mitbegründerin der deutschen Aven-Webseite, die anhand ihrer Geschichte unter Beweis stellt, dass ihre Asexualität keine psychologischen Ursachen hat. Zudem skizziert sie kurz und simpel, was Liebe für sie bedeutet und inwiefern die Entdeckung des Begriffs „asexuell“ für sie wichtig war. Danach gibt die Verfasserin des Artikels vier herrliche Erklärungsversuche der Aven-Webseite wieder, die ich hier gerne zitieren würde. Aven zufolge, bedeutet Asexualität:

– Triebe zu verspüren, aber keine körperliche Anziehung zu anderen Menschen; sich zwar vorstellen zu können, dass Sex sich »auf einer rein biochemischen Ebene vielleicht gut anfühlen würde, aber nicht auf den Gedanken zu kommen, ihn mit einem Partner zu praktizieren«, und zu denken: »Klar, es würde sich vielleicht auch gut anfühlen, sich zum ersten Mal Heroin zu spritzen, aber im Moment habe ich bessere Sachen zu tun.«

– Eine Form von sexueller Anziehung durch andere Männer oder Frauen zu verspüren, aber kein Bedürfnis, dieser zu folgen: »Ja, ich liebe dich, aber warum in aller Welt würden wir das machen wollen?«

– Sexualtrieb und emotionale Anziehung zu anderen nicht zusammenbringen zu können. Masturbation als durchaus angenehm zu erleben, aber nicht auf die Idee zu kommen, Sex mit einem Partner zu haben.

– Oder sich schon vor dem Gedanken an Geschlechtsverkehr zu ekeln und keine Anziehung durch andere Menschen zu empfinden. Im Zusammenhang mit tieferen emotionalen Beziehungen mit Freunden oder Partnern nicht von »Anziehung« zu sprechen, sondern von »Interesse«.

Anschließend wird eine kurze Historie des Asexuality Visibility and Education Network gegeben. Ein sehr bedeutender Abschnitt, der, meiner Meinung nach,  jede Debatte um die Anerkennung von Asexualität als sexuelle Orientierung überflüssig macht, ist folgender:

Kinsey betonte schon damals, dass die Kategorien »normal« und »anormal« in der Diskussion über Sexualität eigentlich unangebracht sind. Schwul und bisexuell zu sein oder sadomasochistische Spiele zu lieben sei inzwischen gesellschaftlich akzeptiert, nicht zuletzt, weil sich so viele öffentlich dazu bekannt haben. Wer keine Lust habe, hat das bisher meistens mit sich oder seinem Partner allein ausgemacht. Schließlich gab es keine öffentliche Debatte über das Thema.

Dieser Abschnitt macht deutlich, dass  Labels und Coming-Outs sowie die Sichtbarkeit wichtig für die Normalisierung einer sexuellen Orientierung sind. Ich kann der Zeit-Journalistin gar nicht genug für ihre gute Wahl an Expertenaussagen und Beispielen danken! Sie schafft es sogar, mir – obwohl ich mich in den vergangenen zwei Jahren durch unzählige Informationen über das Thema gewuselt habe – durch ihren super recherchierten Artikel noch einige Zusatzinformationen zu geben. So wusste ich nichts über den asexuellen Aktivismus vor der Gründung von Aven. Diese „Vorgeschichte“ wird kurz und bündig in einem Abschnitt zusammengefasst, bevor die aktuelle Forschung zu dem Thema vorgestellt wird. Dieser Artikel wurde im Jahre 2009 verfasst. Hätte die Autorin des web.de-Artikels auch nur ein wenig recherchiert, hätte sie nicht einmal die englischen Webseiten und Blogs durchforsten müssen, um zu wissen, dass es sehr wohl bereits Studien zur Asexualität gibt.

Einen Punkt in der Debatte, den ich nie auf dem Schirm hatte, ist der Grund für die nur schleppend in Gang kommende Forschung bezüglich der Asexualität:

Das Desinteresse der Wissenschaft liegt an der mangelnden Brisanz des Themas. »Gesellschaftliche Beunruhigung erzeugen doch in erster Linie Probleme, die durch sexuelle Betätigung entstehen – wie beispielsweise sexuell übertragbare Krankheiten und Teenagerschwangerschaften«, erklärt John DeLamater, Sexualitätsforscher an der amerikanischen Universität von Wisconsin in Madison. »Und dahin fließen natürlich dann auch die Forschungsgelder.«

Für alle Individuen, die glauben, asexuell zu sein bedeute ein generelles Desinteresse an engeren zwischenmenschlichen Beziehungen, werden in diesem Artikel ebenfalls abgespeist:

Selbst Ratten mit betäubten Penissen versuchten weiterhin, Weibchen zu begatten. Lust und das Bedürfnis sich fortzupflanzen haben also, wie der Biologe Jean-Didier Vincent in seiner Biologie des Begehrens schreibt, nicht unmittelbar etwas miteinander zu tun.

Bezüglich der „Notwendigkeit“ eine fehlende Libido therapeutisch behandeln zu lassen, wird ein weiteres gutes Zitat gebracht:

»Aber dann hab ich gedacht: Warum soll ich den therapieren? Der hat einfach eine geringe Libido. Psychotherapie läuft doch ohnehin am Ende nur darauf hinaus, einen Zustand akzeptieren zu lernen.«

Nach diesem Einblick in die Geschichte der „Asexuellen-Bewegung“ und der Forschung, geht es zurück zum Beispiel von Kati, der Mitbegründerin der Aven-Webseite. Dieses persönliche Beispiel ist sehr gut platziert und bestätigt vorher geäußerte Informationen. Zudem wird noch auf wahrscheinlich eher unvermutete Schwierigkeiten von Asexuellen aufmerksam gemacht, wie beispielsweise die Verweigerung einer künstlichen Befruchtung durch eine Frauenärztin. Der Artikel schließt ab mit zwei weiteren kurzen Beispielen, die noch einmal aufzeigen, wie wichtig die Existenz von Aven für viele von uns ist und dass eine Kompromissfindung in gemischten (sexuell/asexuell) Partnerschaften möglich ist.  Insgesamt betrachtet, ein sehr aufklärender und aufmunternder Artikel!

Ein wenig störend fand ich allerdings Worte wie „Schwulenbewegung“ und „Asexuellen-Befreier“, da in dem Wort „Schwulenbewegung“ weibliche Homosexuelle komplett ausgeschlossen werden und „Asexuellen-Befreier“ ein wenig martialisch klingt. Aber naja, ich bin halt sehr sensibel, was Worte betrifft 🙂 Zudem habe ich meine Probleme mit der These des Sexualwissenschaftlers Sigusch, demzufolge die Zugehörigkeit zu einer Gruppe eine gewisse narzisstische Befriedigung mit sich bringt. Natürlich kann die Zugehörigkeit zu einer Interessensgruppe oder einer Gruppe Gleichgesinnter etc. eine gewisse Befriedigung zur Folge haben. Aber narzisstisch???

 

Teil 3 folgt in spätestens einer Woche!

 

 

* Selbst wenn dieses Verb in Anführungszeichen gesetzt worden ist, vermittelt es dennoch ein falsches Bild.

weiter lesen: http://web.de/magazine/gesundheit/sex/13812572-lust-sex.html#.A1000145* Selbst wenn dieses Verb in Anführungszeichen gesetzt wurde, suggeriert es dennoch ein falsches Bild.

** Ich bedauere in meinem Anfangsartikel über Asexualität mit der englischsprachigen Definition gearbeitet zu haben…

*** und zwar ein Wort, welches dies nicht als „krankhaft“ einstuft.

**** „Es ist ein Widerwillen gegen diese Dinge in mir, gegen die sich meine Seele so sträubt“

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6 Antworten zu Asexualität in den deutschen Medien – Teil 2

  1. Zum Thema Historie hatte ich doch irgendwo ein paar Links… Ach ja, hier: http://www.asexualexplorations.net/home/documents/asexuality_history_of_a_definition.pdf und hier: http://2.bp.blogspot.com/-f26RtnCZepg/TfPR6O-sUPI/AAAAAAAAACs/OUS8rsMWWQw/s1600/asexy%2Bhistory.png (frag mich nicht, wo ich das herhabe, bin irgendwie mal drauf gestoßen). Hoffe, es ist interessant für dich.
    An den Artikel in der „Welt“ kann ich mich noch gut erinnern; ich habe insofern ein Problem mit ihm als er die Sache so darstellt als sei Asexualität gleichbedeutend mit – ja, keine sexuelle Erregung empfinden zu können, wie es ja schon im Titel steht. Die interviewte Person scheint auch kein Verlangen nach Selbstbefriedigung zu haben, aber der Artikel tut als sei das bei allen asexuellen Menschen so, was ganz einfach nicht stimmt. Da haben wir wieder das Problem „eine einzelne Person wird porträtiert und was sie berichtet, wird auf alle asexuellen Menschen bezogen“. Das ist eine der Stärken des „Zeit“-Artikels, da kommen halt mehrere Menschen zu Wort.
    Zum Thema Glücklichsein: Da fällt mir immer ein, wie ich 2009 zum ersten Mal hinter einem Infostand saß und eine Person fragte: „Sind solche Menschen denn glücklich?“ Ich fand das so absurd, dass ich gar nicht wusste, was ich antworten sollte.

    • tschellufjek schreibt:

      Danke für die Links. Die werde ich mir mal in Ruhe zu Gemüte führen 🙂
      Dem Welt-Artikel fehlen ein oder zwei Sätze, die kurz deutlich machen, dass es sich hierbei um ein Einzelbeispiel handelt. Ich denke, dass dies von den Journalisten_innen nicht zu viel verlangt ist. Generell bin ich der Meinung (daher auch mein leichtes Ärgernis bei dem web.de-Artikel), dass ein_e Journalist_in, der_die sich dazu entscheidet, einen Artikel zu diesem Thema zu schreiben, dazu verpflichtet ist, gründlich zu recherchieren und nicht leichtfertig allgemein vorurteilsbeladene Phrasen von sich zu geben. Immerhin bestimmt dieses Berufsfeld ja in gewisser Weise unser Weltbild..

      Ich verstehe nicht, warum die meisten Menschen ihre Empfindungen immer auf ihre Mitmenschen projizieren… Glück ist doch ein solch weiter Begriff, der keine eindeutige und allgemeingültige Definition kennt. Außerdem: Wenn ich kein Verlangen nach etwas oder jemandem habe, vermisse ich doch auch nichts. Nichtraucher sind ja auch glücklich, obwohl sie nicht rauchen. Und selbst Menschen, die keinen Kaffee trinken, sind es :O …. wurde mir gesagt 🙂

  2. Kaffee? Du meinst diese stinkende, schwarze Brühe? Davon habe ich nie mehr als ein paar Tropfen probiert und meide sogar Schokolade etc., die danach schmeckt. Ja, es lässt sich definitiv sehr gut ohne leben. 🙂
    Und ob jemand glücklich/zufrieden ist oder nicht, hängt doch von so vielen Dingen ab, Arbeit, Gesundheit, Freundschaften, Möglichkeiten, den eigenen Interessen nachzugehen… (Ich würde eingehen, wenn ich irgendwo in der Einöde leben müsste, wo es keine Konzerte, Lesungen etc. gibt). Die sexuelle Orientierung bzw. der Beziehungsstatus ist da nur ein Faktor unter vielen.

    • tschellufjek schreibt:

      Wir stellen fest: Geschmäcker gehen oft auseinander 🙂 Was den einen glücklich macht, muss den anderen nicht zwangsläufig auch glücklich machen!

      Oh ja, in einer Einöde zu leben wäre für mich auch der blanke Horror. Allerdings kann ein Mangel an kulturellem Angebot auch in Städten vorhanden sein. Ich habe meine Jugend in einer relativ großen Stadt ohne Kino und gute kulturelle Angebote verbracht. Da bleibt dir quasi nur das Internet…

  3. Carmilla DeWinter schreibt:

    Tja, ich finde die englischsprachige Definition irgendwie schlüssiger, weil sie m. E. besser ins Konzept „sexuelle Orientierung“ passt, aber so ist das halt. Am Ende werden wir uns darauf einigen müssen, uns nicht einigen zu können.
    … Sagt eine weitere Kaffee-Verweigerin 😀

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