Dekadenz und freiwillige Unbewusstheit

Häufig sind die Statusmeldungen bei Facebook eine echte Zumutung. Es gibt aber auch immer mal wieder Tage, an denen wirklich brauchbare Texte geschrieben werden. Eine spanische Freundin von mir hat nun letztens ein offensichtlich durch Beobachtungen ihrer Mitmenschen im Alltagsgeschehen ausgelöstes Ärgernis zum Vorwand genommen, um der Facebook-Welt eine kurze Message zukommen zu lassen, die ich versucht habe so gut es ging zu übersetzen. Bei einzelnen Sätzen habe ich mir die Freiheit genommen, mich sprachlich komplett vom Ausgangstext zu entfernen und den Inhalt mit eigenen Worten und Überlegungen wiederzugeben. Es gab auch zwei Sätze, wo ich mir nicht ganz sicher war, was sie mit diesen genau ausdrücken wollte. Seid euch also bewusst, dass meine Übersetzung stark auf meiner eigenen Interpretation beruht. Für alle hispanohablantes drucke ich hier auch noch den Originaltext ab. Anmerkungen sind erwünscht 🙂

Es impresionante hasta qué punto el ser humano actual está impregnado de una inconciencia voluntaria y, peor aun, de un rechazo a sus propias posibilidades.

Me explico: muchos de los que nos encontramos en una clase social media acomodada no hacemos más que vivir en una „nube de pedo“, derrochando posibilidades que se nos dan, quejandonos de cualquier idiotez y preocupandonos por cualquier mundanidad estúpida. Luego llegamos a la vejez y nos damos cuenta de todo lo que nos dejamos sin hacer, y siempre la misma maldita piedra. Demasiado tarde.
Nos preocupamos por cosas increiblemente huecas y nos sulfuramos por imbecilidades.

Hacemos como que no somos concientes de que hay tanta gente desfavorecida que, por dios, MORIRIA o MATARIA por estar en nuestro privilegiado lugar. Gente que sufre la tan tapada pero latente ESCLAVITUD MODERNA, que se da precisamente gracias a que nosotros miramos hacia otro lado.
Con esto de „darnos cuenta“ no me refiero a que hay que tirar la carrera que uno este estudiando a la mierda para ir a salvar a los pobres africanos (por poner un ejemplo de pobreza). Pero, por favor, aprovechemos nuestras posibilidades. Despertemos. Demos gracias por un plato de comida, no puteemos porque el bus llega 5 MINUTOS TARDE POR DIOS, y pensemos que hay paises que ni tienen buses, y una larga y ya conocida lista de etcéteras. Basta de esta superficialidad de mierda, usemos nuestras capacidades, vayamos mas allá.

Es en el crecimiento personal y la CONCIENCIA en donde verdaderamente empiezan los posibles grandes cambios al por mayor.

Und hier die ungefähre Übersetzung:

Es ist beeindruckend zu sehen, wie der heutige Mensch in einer freiwilligen Unbewusstheit lebt und, schlimmer noch, wie er freiwillig seine eigenen Möglichkeiten verwirft.

Ich begreife: viele von uns aus der oberen Mittelschicht leben in einer „Pupswolke“*, alle Möglichkeiten, die sich uns bieten, ablehnend, sich über irgendwelche Dummheiten aufregend und besorgt um irgendeine blöde Kleinigkeit. Schließlich werden wir alt und bemerken all die Möglichkeiten, die wir an uns vorbeiziehen gelassen haben. Dabei folgt stets die gleiche verdammte Bemerkung: Zu spät.

Wir sorgen uns um unglaublich sinnlose Sachen und erzürnen uns wegen jeden möglichen Schwachsinns.

Wir tun so, als ob wir uns nicht darüber bewusst wären, dass es so viele benachteiligte Menschen gibt, die sterben oder töten würden, um in einer solch privilegierten Position wie der unseren zu sein. Menschen, die unter der so verdeckten und latenten modernen Sklaverei leiden, die sich vor unseren beobachtenden Augen abspielt. Meine Absicht ist es hier nicht, Schuldgefühle bei meinen Mitmenschen zu erzeugen und von ihnen zu verlangen, dass sie sofort die Zügel ziehen und alles in ihrer Macht stehende tun, um beispielsweise den armen Afrikanern zu helfen. Aber bitte, lasst uns zumindest unsere Möglichkeiten nutzen! Lasst uns aufwachen! Lasst uns dankbar für jede Speise sein und uns nicht über jede 5-minütige Busverspätung aufregen. Denken wir mal daran, dass es Länder gibt, die weder Busse noch eine ganz lange Liste an weiteren et ceteras haben. Schluss mit dieser beschissenen Oberflächlichkeit, nutzen wir unsere Fähigkeiten und schreiten nach vorne!

Große Veränderungen beginnen immer bei einem selbst.

Wie recht sie doch hat. Ich bemerke ständig, in was für einem Hamsterrad ich gefangen bin. Gefangen in Sorgen und Ängsten, die mir lächerlich erscheinen, wenn ich mir die Probleme dieser Welt oder die meiner Vorfahren anschaue. Und dann ist da noch das Problem mit der Zeit. Ich denke, dass die größte Herausforderung meiner Generation in der Masse der Information, mit denen wir täglich konfrontiert werden, liegt. Es gibt eine solche Vielzahl an Möglichkeiten, an Freizeitaktiviäten und Beschäftigungen, dass wir immer das Gefühl haben, nicht genügend Zeit zu haben. Eine Doku, die mir diesbezüglich die Augen geöffnet hat und die ich an dieser Stelle nur wärmstens empfehlen kann, findet ihr unter diesem Link auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=GnD87tCpqn4.

Mal schauen, ob ich meine guten Vorsätze und Änderungsvorhaben dieses Jahr auch in die Tat umsetze. Die Bilanz folgt am Ende des Jahres 🙂

* Ich weiß, dass dieses Wort im Deutschen nicht existiert, fand das Bild, welches dieses Wort suggeriert, allerdings so zutreffend und ulkig, dass ich es nicht wirklich abändern wollte.

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Über tschellufjek

In Bearbeitung ;)
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5 Antworten zu Dekadenz und freiwillige Unbewusstheit

  1. Carmilla DeWinter schreibt:

    Jupp. Erstens, nicht so viel über Scheiß aufregen. Zweitens, ein bisschen aufmerksamer konsumieren. Drittens: Mensch kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Ich werde niemals alle Bücher lesen können, die mich interessieren, alle TED Talks auf Youtube sehen, alle Blogeinträge kommentieren. Das muss ich entweder akzeptieren, oder ich habe ein Problem.
    Es gibt Tage, an denen bin ich nicht auf Facebook, weil ich keinen Bock auf den Informationsansturm habe. Und ich versuche, meine FB-Freunde nicht mit Zeug zu nerven, das eh keine*n interessiert. So what?

    • tschellufjek schreibt:

      Genau das ist der Punkt! Wir können nicht einmal ansatzweise ein Viertel aller Aktivitäten machen, die wie gerne tun würden, und nicht einmal ansatzweise so viel wissen wie wir wollen. Das müssen wir einfach akzeptieren. Die Herausforderung liegt dann in der Auswahl und in dem Genuss dieser. Es ist schade, dass dies in der allgmeinen Hektik unserer Industriegesellschaften dermaßen untergeht und wir uns – wie sie so schön in ihrem kleinen Text sagte – ständig irgendwelche Kleinigkeiten zum Aufregen suchen.

      Ich finde übrigens den kurzen und prägnanten Satz „so what?“ wunderbar aussagekräftig. Für jede Situation passend !

  2. Trippmadam schreibt:

    „Pupswolke“ finde ich (auch als gelernte Linguistin) vollkommen in Ordnung. Es entspricht den Regeln, nach denen Komposita im Deutschen gebildet werden können. Ob der Begriff wohl irgendwann einmal in den Duden aufgenommen wird? „Nube de pedo“ hätte ich als Nicht-Muttersprachlerin nicht zu schreiben gewagt.

    • tschellufjek schreibt:

      Komposita sind eines der großen Vorteile unserer Sprache. Mensch kann mit der deutschen Sprache so schön spielen! Auf „nube de pedo“ wäre ich selbst auch nie im Leben gekommen. Sprichst du Spanisch?

  3. Trippmadam schreibt:

    Ja.

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