The power of words

Eine immer wiederkehrende Frage ist die nach der Notwendigkeit von Labels. In diesem Beitrag möchte ich versuchen zu erklären, warum Labels wichtig sind und was sie bezwecken.

Ich kann gar nicht häufig genug erwähnen, dass Sprache die Realität konstituiert. Alles, was wir nicht benennen können, existiert praktisch nicht, da es nicht Teil unserer Vorstellungswelt ist. Eine Sache beim Namen zu nennen kann Ängste nehmen und ist der erste Schritt in Richtung Akzeptanz. Dieses menschliche Bedürfnis nach einer Versprachlichung der Umgebung ist sogar in der Bibel festgehalten (siehe z.B. die Benennung der Tiere durch Adam).  Kann ich meine Angst benennen, kann ich lernen, mit dieser umzugehen. Kann ich meine Angst nicht benennen, fehlt mir der Ansatzpunkt, um einen Weg zu finden, mit dieser umzugehen. Und genauso verhält es sich mit der sexuellen Orientierung. Wachse ich in einem heteronormativen Umfeld auf, so wird mir von Beginn an suggeriert, dass ein Mädchen sich in einen Jungen verliebt und umgekehrt. Verliebe ich mich nun in eine Person des selben Geschlechts, ist dies erst einmal ziemlich destabilisierend, selbst wenn der Begriff „Homosexualität“ existiert und in unserer Gesellschaft mittlerweile halbwegs anerkannt ist. Zunächst ist da immer das Gefühl der Anormalität und diese wird häufig gleichgesetzt mit dem Adjektiv „krank“ oder „beschämend“. Die Existenz eines Begriffes wie „homosexuell“ kann nun helfen, eine Identität aufzubauen, „Gleichgesinnte“ zu finden und diese sexuelle Orientierung zu normalisieren. Denn, erst wenn ein Begriff in den sprachlichen Alltagsgebrauch einfließt, ist das, was sich dahinter verbirgt, auch allgemein akzeptiert und anerkannt. Der Kampf um Gleichberechtigung erfolgt also immer zunächst über die Sprache. Daher auch die Debatte um das genderneutrale Schreiben.

Wir werden vielleicht nicht physisch wegen unserer Asexualität angegriffen (diese lässt sich auch optisch nicht erkennen), aber alleine die Tatsache, dass der Begriff „asexuell“ als unnötiges Label von vielen angesehen wird, ist eine nicht zu unterschätzende Diskriminierung. Angenommen David Jay hätte niemals das Asexuality Visibility and Education Network gegründet, hätte nicht den Begriff „asexuell“ in Bezug auf den Menschen propagiert, wie würde es uns dann heute ergehen? Hätten wir den Mut dazu, nein zu etwas zu sagen, was als so vollkommen selbstverständlich angesehen wird wie Sex? Es genügt sich das Interview mit einer älteren asexuellen Frau in dem Dokumentarfilm „(A)sexual“ von Angela Tucker anzuschauen, um zu sehen, was die Nicht-Existenz eines Begriffes auslösen kann. Die meisten von uns wissen wahrscheinlich auch ziemlich gut, dass die erste große Hürde immer die Selbstanerkennung und Selbstwertschätzung ist. Da geht es Menschen aller sexuellen Orientierungen gleich. Je unbekannter und marginalisierter eine sexuelle Orientierung – oder was auch immer – jedoch ist, desto schwieriger fällt meistens auch die Selbstanerkennung. Und diese ist besonders schwierig, wenn die Worte zur Berschreibung des eigenen Selbsts fehlen.

Kurz gesagt: Labels sind ein Anhaltspunkt, kein Endziel. Wenn wir eines Tages in einer Gesellschaft leben würden, die zwischenmenschliche Beziehungen nicht so starr reglementiert, dass sie gewisse Gruppen von Menschen ausgrenzt, würde ich  das Label „asexuell“ nicht mehr brauchen. Solange ich jedoch ganz genau kommunizieren muss, dass ich keine sexuelle Interaktion mit niemandem wünsche und dies auch noch genau begründen muss, ist das Label „asexuell“ hilfreich und notwendig!

Hier ein englischsprachiger Artikel über dieses Thema: http://alifeunexamined.wordpress.com/2014/06/24/why-asexual-is-a-label-i-need-an-open-letter-to-matty-silver/

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