Aufreger „antieuropäische Parteien im EU-Parlament“

Für meine Arbeit wusel ich mich jeden Tag durch die Aktualität rundum die Europäische Union durch. Die Berichterstattung über die Aktivitäten von antieuropäischen Abgeordneten und Parteien im EU-Parlament bringt mich dabei jedes Mal zur Weißglut. Ich habe nicht mehr genau im Kopf, wie viel Geld ein EU-Parlamentarier pro Monat verdient. Ich weiß nur, dass es viel Geld ist – insbesondere zusammengerechnet mit all  den vielen finanziellen Privilegien. Dieser hohe Lohn ist jedoch unter gewissen Umständen berechtigt. Wer einmal eine Sitzung des Parlaments verfolgt hat, weiß, wie viel Stress auf den Parlamentariern lastet. Pro Tag werden oft hunderte von Abstimmungen vorgenommen, welche ja auch alle erst einmal vorbereitet werden mussten. Der Lohn ist berechtigt, solange die Parlamentarier auch ihren Pflichten nachgehen. Die antieuropäischen Abgeordneten stechen allerdings meistens durch ihre häufige Abwesenheit hervor. Und hier beginne ich innerlich zu kochen: Es gibt eine ganz ekelhafte Praxis unter gewissen Parlamentariern_innen, die auf der einen Seite keine Lust haben, an den Sitzungen teilzunehmen, auf der anderen Seite dennoch ihr volles Gehalt beziehen wollen. Da es nicht möglich ist, unbegrenzt zu fehlen, fahren viele Abgeordnete kurz zum Parlament, um dort ihre Signatur auf die Anwesenheitsliste zu kritzeln und dann woanders hinzugehen. Natürlich gibt es auch pro-europäische Parlamentarier, die dieser Praxis nachgehen. Es gibt jedoch wenige, die mit der Bilanz einer Marine Le Pen mithalten können. Diese ist gerade mal bei ca. 65% der Abstimmungen zugegen (unter 50% würde sie die Hälfte ihrer täglichen Vergütung verlieren)*. Viele Leute, die eurokritisch sind und für Parteien wie den Front National wählen, bringen manchmal das Argument hervor, die EU sei ein Bürokratiemonster** und koste zu viel. Dann wählen sie allerdings Politiker_innen, die nicht einmal für das Geld des Steuerzahlers arbeiten gehen. Paradoxal!

Gegen die EU wettern und diese zerstören wollen, sich dann aber das Geld dieser Institution einstecken, ist eine abgrundtief abscheuliche Einstellung! Ein rein destruktives Verhalten hat noch nie jemandem genützt. Warum, liebe Antieuropäer, versucht ihr nicht einfach die EU zu VERBESSERN? Wahrscheinlich sind wir bezüglich der Art und Weise der Verbesserung nicht einer Meinung, aber über andere Visionen kann wenigstens diskutiert werden. Was mich am meisten stört, ist diese absolute Zerstörungswut. Diese schadet auch der einzelnen Nation, die ihr ja stets schützen wollt.

Werdet Erwachsen!

*vgl. http://www.euractiv.fr/sections/elections-2014/les-politiques-attaquent-marine-le-pen-sur-son-absenteisme-301558

** Es ist wichtig, sich die Relationen anzuschauen. 751 EU-Abgeordnete für eine Gesamt-Bevölkerungszahl von ca. 500 Mio. Menschen ist nicht wirklich viel.

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Über tschellufjek

In Bearbeitung ;)
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4 Antworten zu Aufreger „antieuropäische Parteien im EU-Parlament“

  1. Carmilla DeWinter schreibt:

    Nicht, dass ich antieuropäisch wäre, insofern trifft mich das nicht so … immerhin war ich überhaupt wählen, ne? Aber interessanter Aspekt. Wäre nur zu hoffen, dass da wer aufwacht und die Gehälter entsprechend schon früher kürzt, anteilig an den Abstimmungen.

    • tschellufjek schreibt:

      Gegen das Projekt „Europäische Union“ zu sein ist ja an für sich kein Verbrechen. Nur sollte sich diese Anti-Haltung nicht in einem rein zerstörerischen Verhalten äußern. Andere Visionen und Ideen können eine Debatte durchaus bereichern. Ich war offen gestanden auch noch nie 100 prozentig hinter einer Partei, die ich gewählt habe. Aber, wie sagt Hagen Rether so schön: „Wählen ist wie Zähne putzen. Wenn du’s nicht machst, wird’s braun“ 🙂

  2. LB schreibt:

    Reblogged this on LBneo and commented:
    Spannender Artikel über das Verhalten der EU-Abgeordneten von „antieuropäischen Parteien im EU-Parlament“. Paradox wie auf der einen Seite die EU (von eben diesen „Antieuropäern“) kritisiert wird, diese aber nix daran setzten etwas zu verändern (bzw. in ihrem Sinne „verbessern“).

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