Mut zur Lücke

Die Sprache konstituiert Realität. Dass dieser Satz keine Binsenweisheit ist, können Asexuelle der verganene Generationen vermutlich ziemlich gut beweisen. Das Wort „asexuell“, bezogen auf den Menschen, tauchte erst Anfang dieses Jahrhunderts auf. Was in der Sprache nicht existiert, existiert de facto auch nicht in der Praxis. Wenn ich kein Wort für meine Andersartigkeit habe, werde ich diese nicht akzeptieren und respektieren können und mir ständig einreden, dass diese anormal und damit krank ist.
Eine genderneutrale Sprache wäre somit auf jeden Fall nicht schlecht. Aus eigener Erfahrung (man sieht es an meinem Sprachgebrauch) weiß ich jedoch, wie schwierig eine solche Umstellung ist. Sie sitzt nun einmal in unseren Köpfen fest, ob wir wollen oder nicht. Sprache ist generell ein sehr sensibles Thema und ich bin mir sicher, dass in all meinen Definitionen und Erklärungen, immer gewisse Personen nicht eingeschlossen sind, ohne dass ich dies beabsichtige. Eine gewisse Ignoranz ist jedem angehaftet. Es ist nur wichtig, dass man sich dessen bewusst ist und andere Leute nicht angreift, weil diese sich mehr Gedanken machen und ein wenig genauer bei gewissen Sachen sind. Was sich Leute anhören müssen, die genderneutral schreiben, ist echt ein Armutszeugnis. Auf der anderen Seite sollten diejenigen, die genderneutral schreiben, noch ein wenig Geduld haben mit all denjenigen, die dies noch nicht tun. Eine Umstellung erfolgt immer langsam.

Carmilla DeWinter

Alternativtitel: / * oder _?

Eine Verteidigung des Gender Gaps, in der Hoffnung, dass auch noch weniger theoriebewanderte Menschen als ich begreifen, worum es geht, wenn so seltsame Lücken in den Wörtern sind.

Susanne Bloos hatte ich hier gesagt, dass ein Widerspruch lauert, und hier ist nun die ausführliche Variante.

Erinnert sich noch wer, wie die Verfechter*innen der deutschen Sprache auf die Barrikaden gingen, als das Binnen-I in offiziellen Dokumenten eingeführt wurde? Immer noch gibt es Zwischenrufe, dass der Plural von Tänzerin Tänzer ist, sogar wenn nur ein Mann zu der Compagnie gehört. Oder dass „Zuhörerinnen und Zuhörer“ doppelt gemoppelt sei. Und dass ein Text mit Gender Gaps so schlecht lesbar sei.

Und überhaupt hat die Menschheit andere Probleme.

Letzteres ist korrekt. Frauen* in Deutschland haben es verhältnismäßig gut, und sie müssen selten Angst haben, ein öffentliches Klo aufzusuchen.

Aber.

Erstens: Nicht alle Menschen passen in eine von…

Ursprünglichen Post anzeigen 577 weitere Wörter

Advertisements

Über tschellufjek

In Bearbeitung ;)
Dieser Beitrag wurde unter Alltagsreflexionen, Gesellschaft abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Mut zur Lücke

  1. Carmilla DeWinter schreibt:

    Danke für das Reblog. Nachdem ich dich jetzt wieder gefunden habe, kommst du auf die Blogliste der Herberge.

    • tschellufjek schreibt:

      Vielen Dank! Ich habe jetzt auch endlich mal daran gedacht, meine Linkliste ein wenig zu füttern. Dein Artiekl hat mir übrigens den notwendigen Ruck dafür gegeben, aus dem Nachgrübeln herauszutreten und zur Tat zu schreiten. Der nächste Artikel wird dann (hoffentlich korrekt) genderneutral geschrieben sein!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s