Deux jours, une nuit

Als Orange-Kundin komme ich jeden Dienstag in den Genuss des sogenannten „CinéDay“. Diese dauerhafte Aktion der französischen Telekom ermöglicht es mir als Kundin, für den Preis einer Eintrittskarte zwei Eintrittskarten zu bekommen. In Metz kam ich daher jeden Dienstag für nur 3,05 ins Kino (wenn ich eine zweite Person fand), in Brest sogar nur für 2,80!! Kurz gesagt: Ich bin hier in Frankreich jeden Dienstag im Kino.

Heute stelle ich euch eine französisch-italienisch-belgische Filmproduktion mit Marion Cotillard in der Hauptrolle vor.  Gedreht, geschrieben und produziert wurde dieser Film von den belgischen Brüdern Dardenne, die in Frankreich sehr bekannt sind und bereits diverse europäische Filmpreise abgestaubt haben. Vorab sei gesagt, dass man sich diesen Film nicht unbedingt in jeder Lebenslage anschauen sollte, da er uns schonungslos auf die sozialen Missstände der heutigen Arbeitswelt aufmerksam macht und uns dabei einen Spiegel vors Gesicht hält, der wehtut. Zentrales Element dieses Films ist eine folgenschwere Entscheidung, die ein wirtschaftlich notleidender Betrieb seinen Mitarbeitern aufbürdet: Entweder sie entscheiden sich für die ihnen zustehende Prämie von 1000 Euro, wofür jedoch eine Kollegin entlassen wird, oder sie entscheiden sich gegen die Prämie und für die Sicherung des einen Arbeitsplatzes. Der Film zeigt, wie diese eine von der Entlassung bedrohte Arbeitnehmerin, verkörpert von Marion Cotillard, versucht, ihre 16 Kollegen davon zu überzeugen, auf ihre Prämien zu verzichten.

Ich werde natürlich nicht den Ausgang des Filmes verraten, werde aber dennoch ein paar wesentliche Punkte aufgreifen, die mich nachdenklich gemacht haben 🙂

Zunächst greift der Film sehr gelungen das Thema der Depression auf. Es wird weder unnötig dramatisiert noch verharmlost und das Brüderpaar Dardenne schafft es, sowohl das Leiden der depressiven Sandra als auch jenes ihres Ehemannes und ihrer zwei Kinder zu zeigen.  Der Film skizziert wunderschön die Perversität der heutigen Zeit: Nun, da wir dank Maschinen kaum mehr physisch belastende Arbeiten tätigen müssen, zerstört die Arbeit nun unsere psychische Gesundheit. Da unsere Bewegungsabläufe vom Gehirn aus gesteuert werden, haben psychische Krankheiten den Nebeneffekt, verheerene Folgen für unsere physische Gesundheit zu haben. Dieser Mix macht einen Depressiven zu einem lebenden Toten.  Sandra findet nicht einmal mehr die Kraft, ihrer Familie beim Mittagessen Gesellschaft zu leisten. Ihr Tablettenkonsum nimmt stätig zu und ihr Verhalten wird immer selbstzerstörischer. Dies wird sehr gut durch ihre Beziehung zu ihrem Ehemann gezeigt, der sich unglaublich viel Mühe macht, seiner Frau wieder auf die Beine zu helfen. Zu Beginn des Films ist Sandra bereits aus der gröbsten Phase herausgekommen. Sie möchte ihre Arbeit wiederaufnehmen, um wieder ein halbwegs normales Leben zu führen. Genau zu diesem Zeitpunkt entscheidet sich der Chef ihrer Firma zu einer verheerenden Belastungsprobe seiner Angestellten: Ob Sandra wieder an ihre alte Arbeitsstelle zurückkommen kann oder nicht wird abhängig von der Selbstlosigkeit ihrer Kollegen abhängig gemacht. Und hier sind wir an einem weiteren Knackpunkt bzw. Problem unserer heutigen Zeit angekommen: Die Egomanie! Was diese Situation mit einer ohnehin schon depressiven Person macht, könnt ihr euch sicherlich vorstellen!

Wie die Kollegen von Sandra reagieren bzw. handeln, das lasse ich euch hier mal erahnen. Generell kann ich diesen Film nur wärmstens empfehlen und möchte daher nicht zu viel verraten.

Am Ende der Filmvorführung war es totenstill im Kinosaal, was für mich einmal mehr beweist, dass Film und Realität hier nicht sehr weit voneinander entfernt sind. Der Druck, der auf vielen Arbeitnehmern lastet ist immens, die Stigmatisierung und die finanziellen Folgen der Arbeitslosigkeit verstärken diesen noch weiterhin. Am Ende des Films steht ein Aufruf zum Kampf, den Kampf um die eigene Würde.

„Zwei Tage, eine Nacht“, so der deutsche Titel, erscheint erst im Oktober auf den deutschen Leinwänden. Zusätzlich zu meinen kleinen Ausführungen empfiehlt sich die Lektüre des folgenden Artikels der Süddeutschen Zeitung: http://www.sueddeutsche.de/kultur/filmfestival-cannes-geld-oder-kollegialitaet-1.1970553

 

 

 

Advertisements

Über tschellufjek

In Bearbeitung ;)
Dieser Beitrag wurde unter Film, Frankreich, Kultur abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s