Couchsurfing in Rennes

Ich bin zwar ein kontaktfreudiger Mensch, habe mich bis vor Kurzem jedoch immer davor gesträubt, die Couch einer Privatperson zu surfen. Seit zwei Monaten lebe ich nun nach der Philosophie, mich bewusst Situationen auszusetzen, die mir unangenehm erscheinen, um meine Angst zu verlieren und mich nicht mehr hinter einer Fassade von Misstrauen und Furcht zu verstecken. Bis jetzt läuft dies ziemlich gut. Meine erste Couchsurfing-Erfahrung war dabei für mich das Highlight!

Seitdem ich im Rahmen eines Seminars ein paar Minuten durch Rennes marschieren konnte, wollte ich unbedingt mal die Stadt wirklich erkunden. Ich ergriff also die Gelegenheit, als ich mich in Brest für ein Praktikum befand, um mit einer Mitfahrgelegenheit nach Rennes zu fahren. Die Fahrt dauerte etwas länger als 2 Stunden, kam mir jedoch viel kürzer vor, da ich ein sehr interessantes und angeregtes Gespräch mit meiner Mitfahrgelegenheit führte. Da die Eltern von ihm aus Madagaskar und China stammen, hörte ich mir interessiert einige seiner Berichte von Besuchen bei seiner Familie an. Manchmal braucht man nicht weit zu reisen, um einen kleinen Einblick in die Welt und die Geschehnisse weit von uns entfernt zu bekommen. Ich wusste beispielsweise nichts über die politische Instabilität Madagaskars. In Rennes angekommen, stattete ich mich erstmal mit einem Stadtplan aus, um innerhalb von 4 Stunden die gesamte Innenstadt samt Umgebung zu erkunden, Mittag zu essen und bei einem Kaffee auf dem wunderschönen Platz St.Anne ein Buch zu lesen.  Manchmal finde ich es herrlich entspannt, alleine zu reisen! Ich habe Rennes von seiner besten Seite kennengelernt. Eine überaus malerische Studentenstadt mit vielen kleinen urigen Cafés und sehr exotischen und alternativen Läden. Eine meiner Entdeckungen war ein Laden, der Kinoplakate verkaufte. Welch ein Paradies! Gegen Abend traf ich mich dann mit einer Bekannten in dem schnuckeligen Pub „Friends and Frogs“, den ich nur empfehlen kann. Er liegt in der Rue de la Monnaie, einer der kleineren Einkaufsstraßen der Stadt. Ein Bier und ein interessantes Gespräch später war es dann Zeit, meine Gastgeberin zu treffen. Ich traf sie in einem weiteren empfehlenswerten Pub namens „L’atelier de l’artiste“ auf dem Platz St.Anne. Ich lernte 4 Freundinnen von ihr kennen und konnte in einer sympatischen Runde ganz in Ruhe meine Gastgeberin kennenlernen. Zwei Stunden später, so gegen 22h30 gingen wir dann zu ihr nach Hause. Wider Erwarten, machte mir meine Gastgeberin noch was zu essen und wir redeten noch zwei Stunden angeregt miteinander. Das Sofa war sehr komfortabel und ich war angesichts der netten Gespräche und des Komforts überhaupt nicht traurig, nicht in ein Hotel gegangen zu sein. Am nächsten Morgen musste sie schon früh außer Haus, da sie bei den Europawahlen als Wahlhelferin gearbeitet hat. Sie überließ mir also einen Schlüssel und vertraute mir ihre Wohnung an. Dieses Vertrauen ehrte mich ungemein und ich begann mich zu fragen, warum ich persönlich immer so misstrauisch anderen gegenüber bin. Ich nahm mir vor, sobald ich die Kapazitäten haben werde, auch als Gastgeberin zu fungieren und die Leute ebenfalls mit offenen Armen bei mir zu empfangen. Ich traf also meine Gastgeberin gegen Mittag wieder, um in einer Crêperie zu speisen. Da ich selbst momentan in der Bretagne wohne, konnte ich ihr nicht wirklich ein Souvenir als Dankeschön mitbringen, da sie ein solches auch bei sich bekommen würde. Ich entschied mich also, sie zum Essen einzuladen. Zwar wird von Couchsurfern keine Gegenleistung erwartet, man schenkt jedoch in der Regel immer was, um seinen Gastgeber für sein  Bemühen zu bedanken. Mit uns aß auch eine Freundin meiner Gastgeberin, die ebenfalls als Surferin und Gastgeberin bei Couchsurfing aktiv ist und die ich im Zuge meiner Suche nach einem „Host“ ebenfalls kontaktiert hatte (die Welt ist klein)! Da sie bereits dreimal in Indien war und ich im September nach Mumbai fliege, hörte ich mir gespannt ihre Reiseberichte an.

Viele Bekanntschaften und Entdeckungen später verließ ich – nach nur zwei Tagen – die Stadt, wohlwissend, dass es mich vermutlich noch mal hierhin ziehen wird!

Sowohl die Stadt als auch die Seite „www.couchsurfing.org“ kann ich jedem empfehlen! Wagt das Abenteuer. Am Ende kann es natürlich auch schiefgehen, aber einen Versuch ist es immer wert.

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