A_sexualität – Was ist das?

Eine allgemein gültige Definition von A_sexualität zu erstellen ist äußerst schwierig, da dieser Terminus einer sehr heterogenen Gruppe von Individuen gerecht zu werden versucht. Ich werde versuchen, in diesem Beitrag möglichst allen A_sexuellen gerecht zu werden und gleichzeitig die Definition einfach verständlich für nicht-A_sexuelle zu halten.

Die gängige und universellste Definition, meiner Meinung nach, lautet wie folgt:

A_sexualität impliziert das Fehlen sexueller Begierde.

Begierde ist zwar kein schönes Wort, verhilft uns aber zu einer differenzierten Definition des Terminus. Im Englischen wird die A_sexualität häufig mit der Bemerkung „lack of sexual attraction“ beschrieben. Dies ist irreführend, da es einen Unterschied zwischen „sexueller Anziehung“ und „sexueller Begierde“ gibt, der insbesondere beim Verständnis von A_sexualität ungemein wichtig ist. Die meisten A_sexuellen leiden an keiner körperlichen Dysfunktion oder psychologischen Erkrankung.* Ich weiß nicht, ob ich für alle A_sexuellen sprechen kann, aber manche/viele von uns erleben durchaus körperliche Reaktionen auf gewisse Stimuli. Es fehlt uns letztendlich lediglich die Lust und die Vorstellung, diesen körperlichen Reaktionen weiter nachzugehen. Wir sind also im Großen und Ganzen vollkommen „funktionsfähig“ und einige A_sexuelle haben auch Sex. A_sexualität ist keine Entscheidung der Enthaltsamkeit. Es ist keine Ablehnung, sondern ein fehlendes Verlangen.**

Um den verschiedenen Erfahrungen von sexueller Anziehung und Erregung innerhalb der „Community“ gerecht zu werden, gibt es die Begriffe „Grey-A“ und „Demisexuell“. Diesen Termini werde ich jeweils einen eigenen Artikel in der kommenden Zeit widmen. Zum ersten Verständnis könnte eventuell eines der Symbole von A_sexualität dienen:

512px-Ace-logo4.svg´Die obere Linie stellt die verschiedenen Sexualitäten dar. Die linke Ecke repräsentiert die Homosexualität, die rechte Ecke die Heterosexualität und dazwischen auf der Linie befindet sich die Bisexualität. Die untere Spitze repräsentiert die Asexualität. Die verschiedenen Farben – oder anders gesagt, die verschiedenen Schattierungen im Inneren des Dreiecks – stehen für die verschiedenen Formen der „sexual attraction“ (zu Deutsch: „sexuelle Anziehung). Weiß steht für eine starke sexuelle Anziehung, schwarz für eine kaum bis gar nicht vorhandene sexuelle Anziehung. Dieses Dreieck macht wunderbar deutlich, dass auch Nicht-A_sexuelle verschieden stark sexuelle Anziehung erleben.

Die Vertikale des Dreiecks wird zwar als Indikator der verschiedenen Stufen von sexueller Anziehung definiert, man könnte sie, meiner Meinung nach, aber auch gut (oder besser) als Indikator der Libido sehen. An dieser Stelle sei vielleicht noch mal gesagt, dass ich einen Unterschied zwischen Anziehung und Libido (=Begehren, Begierde) sehe.

Mithilfe der Graphik lass ich euch erst mal selbst darüber nachgrübeln, was wohl mit der Grey-A_sexualität und der Demisexualität gemeint ist 🙂

So, in der Hoffnung, dass meine Ausführungen nicht zu chaotisch und unverständlich sind, schließe ich diesen Post mit dem Hinweis ab, dass die A_sexualität beweist, dass es einen Unterschied zwischen sexueller und romantischer Anziehung gibt. All das, was ein Mensch sexuell sein kann, kann er auch/oder auf romantischer Ebene sein. So gibt es hetero-, bi- und homoromantische A_sexuelle, aber auch pan- und aromantische A_sexuelle beispielsweise. Da dies nur ein einführender Post ist, werde ich hier darauf nicht weiter eingehen.

*Letztendlich gilt jedoch, dass jeder, der sich mit diesem Begriff identifizieren kann, sich „asexuell“ nennen kann. Wenn jemand aufgrund einer physischen oder psychischen Krankheit seine Lust an sexueller Interaktion verliert, dies aber für sich selbst so akzeptiert und nicht als Einschränkung seiner Lebensfreude sieht, dann darf er sich durchaus als „a_sexuell“ bezeichnen.

**Es gibt allerdings auch A_sexuelle die Sex allgemein ablehnen.

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6 Antworten zu A_sexualität – Was ist das?

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  4. DasTenna schreibt:

    Ich bin doch etwas spät über diesen Beitrag gestolpert, den ich überschaubar und verständlich finde, also einfach gut. Danke dafür 🙂

    Problematisch bei der Definition von Asexualität sehe ich manchmal, dass sie nur in Abgrenzung zu den anderen Orientierungen funktioniert, nämlich über die Feststellung der Abwesenheit einer Empfindung. Viel sinnvoller wäre es doch, einmal zu beschreiben, was Asexualität wirklich ausmacht. Dadurch käme nicht nur der reale Bezug zu den Menschen zur Geltung – der ja bei den Definitionen sämtlicher sexueller Orientierungen nicht wirklich gegeben ist – sondern es gäbe sicherlich auch einige Missverständnisse und Leute weniger, die sich das Label aufdrücken, obwohl ihr Empfinden eigentlich ein ganz anderes ist. Außerdem hätten sich dann wohl eher die müßigen Diskussionen darüber, was Asexuelle „dürfen“ und was nicht. Diese Dinge auszuformulieren dürfte natürlich ein schwieriger und langwieriger, gleichzeitig aber auch sehr fruchtbarer Prozess werden.
    Möglicherweise führt auch die Definition über das „Fehlen“ von sexueller Begierde in die Irre. Denn um zu wissen, dass etwas fehlt, muss eins das Fehlende doch kennen, d.h., schon einmal erlebt und positiv in Erinnerung haben. Ich war mir dagegen zwar immer bewusst, dass bei mir etwas anders läuft als bei anderen, aber ich fühlte mich nie, als würde mir etwas fehlen. Warum sollte etwas fehlen, das ich nicht kenne? Nur, weil andere es empfinden? Über ein „Fehlen“ zu definieren, klingt, als wären wir letzten Endes doch nur „defizitär“ und „falsch“.

    • tschellufjek schreibt:

      Entschuldige bitte die späte Antwort. Wie du sehen konntest, bin ich momentan leider sehr inaktiv….

      Vielen Dank erst einmal für das positive Feedback.
      Was deine Anmerkungen betrifft, bin ich ganz deiner Meinung. Allerdings ist es schwierig, A_sexualität nicht im Vergleich bzw. in Abgrenzung zur vorherrschenden Sexualitätsnorm zu beschreiben. Ein wichtiger Grund für meine damalige Entscheidung, diesen Blog zu erstellen, war, dass ich das Gefühl hatte, in gesellschaftliche Denkmuster in Bezug auf Sexualität und Liebe nicht hineinzupassen und mich dadurch auch unter Druck gesetzt fühlte. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte ich auch keinen Begriff gebraucht, der meine Gefühls- und Gedankenwelt widerspiegelt. Denn, wie du schon erwähntest, um ein Fehlen zu bemerken, muss eins erst das Fehlende kennen. Allerdings bin ich der Meinung, dass mensch in unserer heutigen Zeit gar nicht mehr selbst etwas (positiv) erlebt haben muss, um ein „Fehlen“ zu bemerken. Viele Berichte von A_sexuellen (siehe die Doku (a)sexual) zeigen, dass die Omnipräsenz der Sexualität (im oberflächlichen Sinne, eine tiefgründige Debatte über Sexualität hat noch nicht stattgefunden) vielen von uns das Gefühl geben, dass ihnen etwas fehlt und sie sich „überwinden“ müssen

      • DasTenna schreibt:

        Ich freue mich über die Antwort 🙂 Danke dir.
        Die Omnipräsenz der allosexuellen Wahrnehmung und die fehlende Sichtbarkeit der unseren führt in der Tat dazu, dass sich Leute wie ich nicht auf ihr Bauchgefühl verlassen und nicht wissen, dass es legitim ist, niemals Lust zu haben – denn es wird suggeriert, dass jede*r begehrt und umworben werden möchte und dass selbst die, die sich anfangs besonders „zieren“, in Wahrheit danach „lechzen“ „erobert“ zu werden.
        Eine kurze Zeitlang habe ich allosexuelles Verhalten zu kopieren versucht (wie ich es aus Medien kannte), kam mir aber lächerlich und unaufrichtig vor. Meine Partner bemerkten sicher, dass ich nicht wirklich Lust auf sie oder Sex hatte. Ich bemerkte, dass es ihnen nicht gut ging und dass es wohl irgendetwas mit mir zu tun hatte und ihnen etwas fehlte, konnte aber nicht greifen, was es war. Ich las weder Beziehungsratgeber noch sprach ich mit meinen Partnern oder Freund*innen über Beziehungsangelegenheiten.
        Ich gehöre zu denen, die sich immer wieder selbst überredet haben, -weil es doch irgendwann einmal Spaß machen MUSS; -weil mein Bauchgefühl vielleicht nur Nervosität ist oder ein schlechtes Verhältnis zu meinem Körper oder vielleicht Verklemmtheit oder oder oder; -weil ich ein schlechtes Gewissen hatte, dem Partner etwas vorzuenthalten; -weil ich beweisen wollte, das ich meinen Partner wirklich liebte.
        Das „Fehlen“, das ich bemerkte, war allerdings eher das des Wohlbefindens meiner Partner – denn das MIR was „fehlte“, war mir mangels Vergleichmöglichkeiten (s.o.) und aufgrund meiner Überzeugung, dass alle anderen das Sexuelle ebenso wahrnahmen wie ich und nur um der Selbstdarstellung willen so taten, als würden sie dem eine völlig andere Bedeutung beimessen, nicht wirklich bewusst.

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