Sexismus

Angesichts des Videos, welches das dänische Parlament zu Werbezwecken für die Europawahlen veröffentlicht hat, und der lebhaften Reaktionen auf eine darin gezeigten Szene, in der ein Mann von mehreren Frauen einen Blow Job bekommt, würde ich gerne ein paar Worte zum Thema Sexismus verlieren.

Ja, die Szene ist tatsächlich sexistisch. Sie ist jedoch nicht sexistischer als all die Werbung und vor allem all die Musikvideos, die wir tagtäglich zu Gesicht bekommen.

Man kann natürlich nun das Argument hervorbringen, dass es sich hierbei um ein politisches Werbevideo handelt und eine sexistische Szene daher nicht tolerierbar ist. Nun bin ich jedoch der Meinung, dass diese Szene – anders als die Debatte erahnen lässt – nur eine kleine Randszene in dem Video ist, welches zudem für keine bestimmte Partei oder politische Strömung wirbt, sondern ganz allgemein dafür, wie wichtig das Wählen ist. Man hätte natürlich diese Szene auch ganz auslassen können. Ich bin jedoch der Meinung, dass diese lebhafte Reaktion auf diesen Spot von sehr viel Heuchelei zeugt. Die Tatsache, dass die meisten Werbespots von Haushaltswaren oder Lebensmitteln stets Frauen in den Hauptrollen haben, Männer gefeiert werden, wenn sie abspülen und Frauen halbnackt und stöhnend für Bier und andere Produkte, dessen Hauptzielgruppe männlich ist, werben, wird öffentlich überhaupt nie angeprangert. Nun erzürnen sich viele Menschen in  ganz Europa über dieses Video. Und anstatt das Problem bei der Wurzel zu packen und sich zu fragen, warum man versucht mit Sex- und Gewaltszenen junge Menschen zur Wahlurne zu bewegen, regt man sich abermals nur über das „Was“ auf. Ein Video, welches einen bestimmten Zweck verfolgt, wird nicht ohne bestimmte Hintergedanken erzeugt. In der Werbebranche arbeiten unglaublich viele Psychologen, die erforschen, was die Zielgruppen bewegt und welche Reize man in ihnen wecken muss, um sie zu einer bestimmten Handlung zu verleiten. Wenn unsere Gesellschaft so abweisend auf Sexismus reagiert, müsste sich dies normalerweise in der Werbung widerspiegeln. Wäre die Zielgruppe antisexistisch, würde man sie  nicht mit sexistischem Inhalt ansprechen. Worin liegt nun das Ärgernis? Meine These ist, dass die Leute zwar unterschwelligen Sexismus gewöhnt sind und tolerieren, offensichtlichen Sexismus jedoch empört ablehnen aufgrund der doch ziemlich effektiven Aufklärungsarbeit der letzten Jahre. Die meisten Leute haben jedoch ein sehr starres und extremes Bild von Sexismus. Sie assoziieren dieses Wort mit Machos, die Frauen beispielsweise auf offener Straße hinterherpfeifen oder ihnen unkonventionell den Hof machen. Andererseits nimmt man es mehr oder weniger hin, dass Frauen bis heute aufgrund ihres Geschlechts für die selbe Arbeit wie ihre männlichen Kollegen ca. 20 % weniger verdienen. Darüber hinaus ist es auch sexistisch, wenn man von Männern stets erwartet groß, stark und handwerklich geschickt zu sein und in dem feinfühligen literarischen Mann  einen vermeintlich Homosexuellen oder ein „zartbeseitetes“ Sensibilchen zu sehen.

Dieser Sexismus ist weit schwerwiegender, da er uns in unserem Alltagsleben beeinträchtigt.

In der besagten Szene sehe ich persönlich die Darstellung eines Männertraums. Das kann man ruhig als geschmacklos bezeichnen, aber warum das gesamte Video verbieten? Dieser Logik nach zu urteilen, müsste man unglaublich viele Kinofilme und Serien verbieten, in denen die weiblichen Rollen Geliebte und Ehefrauen umfassen, deren Handlung das Sexuelle stets in den Vordergrund rückt.

Meiner Meinung nach handelt es sich hierbei um eine Überreaktion, die den Kern des Problems verkennt und somit nur heiße Luft hinterlässt.

 

Hier das Video, von dem die Rede ist 🙂 :

http://9gag.tv/p/a9Jqwx/watch-the-banned-cartoon-that-denmark-uses-to-get-young-people-to-vote-voteman?ref=fbl9

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Über tschellufjek

In Bearbeitung ;)
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