Europäische Öffentlichkeitsarbeit in Krisenzeiten

Gestern fand auf der Place de la Liberté in Brest das sogenannte Village Europe statt, organisiert vom Maison de l’Europe der Stadt Brest, in dem ich momentan ein zweimonatiges Praktikum absolviere, und verschiedenen politischen Institutionen der Region Bretagne. Neben verschiedenen Ständen zu einzelnen EU-Staaten, an denen Informationsbroschüren und kulinarische Spezialitäten an die Besucher verteilt wurden, gab es jede Menge Animationen, wie z.B.Tänze und Improvisationstheater. Unser Stand  war ganz der europäischen Öffentlichkeitsarbeit gewidmet. Wir verteilten Werbeflyer für die Europawahlen und Informationsbroschüren über die europäischen Institutionen und ihre Aufgaben. Des Weiteren veranstalteten wir ein Gewinnspiel, bei dem die Teilnehmer den Satz „Ich wähle am 25. Mai“ in sechs Sprachen übersetzen sollten. Dazu mussten sie die einzelnen Stände aufsuchen und die einzelnen Standinhaber fragen, wie man in der Sprache ihres Herkunftslandes diesen Satz schreibt. Das Gewinnspiel lief vor allem bei Kindern ziemlich gut und wir mussten viele Beutel mit Gewinnen füllen. Ich bekam es allerdings auch diesmal mit ziemlich vehementen Euroskeptikern zu tun, die ohne meine Argumente anzuhören, Stammtischparolen brüllen mir ihre ganze Ablehnung gegenüber der EU zu spüren gaben.

Ich kann verstehen, dass angesichts der derzeitigen Situation Kritik an der europäischen Union aufkommt. Kritik an einem System oder einer Institution zu erheben ist auch notwendig, um dieses/diese zu verbessern. Sie sollte jedoch konstruktiv und nicht destruktiv sowie gut durchdacht sein. Ja, die Verwirklichung des Konzepts „EU“ ist verbesserungswürdig und weist einige Schwachpunkte auf. Nein, die Konsequenz, die man daraus ziehen sollte, ist nicht die Auflösung dieser Union. Nicht zur Wahl zu gehen bzw. anti-europäische Kräfte zu wählen, gibt den Politikern in Brüssel keinen „Denkanstoß“ und wird garantiert auch nicht unsere Probleme beheben. Wenn wir alles auflösen würden, was nicht gut umgesetzt ist und Schwachstellen aufweist, müssten wir so ziemlich alles auflösen. Der Mensch macht Fehler und der Mensch ist in erster Linie ein Egoist, weshalb er jedes auch noch so gute Prinzip stets in eine Richtung lenken wird, die nicht jedem zugute kommt. Man schaue sich nur mal die ursprüngliche Idee hinterm Kapitalismus von Adam Smith an (vgl. „Wohlstand der Nationen“)!

Da die meisten Leute die EU als zu komplex empfinden und daher in ihrer Kritik nicht über ihre nationalistischen und überaus hohen Phrasen hinauskommen, bringe ich stets folgende drei grundlegende und simple Argumente hervor:

 

1. Wir leben in einer globalisierten Welt, in der nationale Regierungen längst nicht mehr die alleinige Entscheidungsgewalt innehaben. Zudem sehen sich die europäischen Staaten der wirtschaftlichen Konkurrenz mit bevölkerungsreichen Staaten wie den USA, China, Indien und Brasilien ausgesetzt. Wirtschaftlich gesehen ist dies eines der Schlüsselargumente für die Notwendigkeit eines wirtschaftlichen Zusammenschlusses der europäischen Staaten.

 

2. Man kritisiert fast immer Probleme der EU, die durch das vehemente Festhalten nationaler Interessen zustande kommen. Wenn man diese Probleme beheben möchte, müsste man für eine Vertiefung der EU eintreten und dementsprechend wählen gehen. Des Weiteren hat reines Motzen und trotziges Nichtwählen noch nie zu etwas positiven geführt.

 

3. Besonders lustig finde ich stets den Satz „Man weiß ja nicht, wen man wählen soll. Ich bekomme ja kaum Informationen über die Europawahlen“. Bezüglich der spärlichen Beachtung, die unsere Hauptmedien diesem Thema widmen, kann ich den Satz nachvollziehen.Wenn dieser Satz jedoch an einem Stand fällt, an dem man quasi mit Infomaterial überschüttet wird, und man bedenkt, dass man im Zeitalter des Internets sehr schnell und einfach Antworten auf seine Fragen erhält, schwindet mein Verständnis rapide.

 

Allgemein gilt: Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.

 

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